Rücksicht

Rücksicht –> Verhalten, das die besonderen Gefühle, Interessen, Bedürfnisse, die besondere Situation anderer berücksichtigt, feinfühlig beachtet.

Klingt gut oder? Wünscht sich das nicht auch jeder? Aber immer wieder erlebe ich auf Gassi-Runden keine Rücksichtnahme oder vielleicht auch einfach nur dumme Hundehalter. Darf man das sagen? Oder ist das schon zu frech? Vielleicht statt dumm, einfach nicht mitdenkende Hundehalter……

Bei uns ist auf den normalen Wegen/kleineren Parks Anleinpflicht (Feld und Wälder, so lange kein Naturschutzgebiet, nicht). Letztens gehe ich morgens um 7 Uhr mit den beiden Rackern eben um den Block. Beide schnüffeln und ich lasse sie schnüffeln und blicke hoch und sehe an der Ecke einen fremden Hund (Größe von den beiden) stehen. Im ersten Augenblick dachte ich daran, ob er vielleicht entlaufen ist. Er schaute gespannt auf die beiden, die ihn zum Glück noch nicht wahrgenommen hatten. Irgendwann kam auf einmal doch Frauchen um die Ecke, sah uns und rief ihn. Nichts tat sich. Sie rief ihn wieder und natürlich passierte wiederum nichts. Hätte sie ihren Hund lesen können, dann hätte sie gesehen, dass er auf Spannung gewesen ist und nur gewartet hat, dass wir den ersten Schritt in seine Richtung gehen. Sie versuchte dann zügig weiter zu gehen, in der Hoffnung, ihr Hund folgt ihr. Wie gesagt, hätte sie ihren Hund gelesen……..Er folgte ihr nicht, sondern kam auf uns zu. Karli mag aber keine Leinenbegegnungen und wir arbeiten zur Zeit daran, dass Hundebegegnungen nicht kommentiert werden. Wir sind auf einem guten Weg und durch so eine gedankenlose Hundehalterin wollte ich mir meine Erfolge nicht kaputt machen lassen. Ich ließ Cooper etwas zu ihm und hielt Karli zurück. Cooper war erst freundlich, merkte aber auch sehr schnell, dass der andere durchaus auch anders kann. Ich ging also Schritte zurück, sie rief wieder ihren Hund und er hörte genauso gut wie die ersten Male. Nämlich gar nicht. Ich ging weiter zurück und der Hund wollte abermals auf uns zukommen und da platzte mir dann doch der Kragen: Können Sie vielleicht endlich Ihren Hund anleinen? Diese beiden mögen keinen Leinenkontakt! Da hat sie sich dann doch endlich bewegt und ist zu ihrem Hund gegangen und hat ihn angeleint. Ein Wort der Entschuldigung kam leider nicht über ihre Lippen. Naja, ist wahrscheinlich auch meine Schuld! Was habe ich schließlich für unerzogene Hunde? 😉 Dabei sollte jedem Hundehalter klar sein: zwei Hunde = Rudel und da ist ein fremder Hund nicht unbedingt gerne willkommen! Außerdem: wo Anleinpflicht ist, ist der Hund nunmal anzuleinen. Auch wenn er ja sonst noch nie etwas gemacht hat……. aber schnell ist einmal immer das 1. Mal!

Oder aber es gibt die Hundehalter, die ihren Hund nicht zu sich ranholen an der Leine und mit langer Leine (ich rede nicht von einer Schleppleine) an einen vorbei gehen. Obwohl sie doch Augen im Kopf haben und gesehen haben, dass wir unsere Hunde bewusst auf die andere Seite genommen haben (so das der Mensch dazwischen ist und die Hunde nicht nah aneinander vorbeigehen). Gerne springt dann der andere Hund im vorbei gehen einfach mal nach vorne und dann wird man mitleidig angeschaut, wenn dann der eigene Hund „Theater“ macht“. Das sie aber dieses „Theater“ verursacht haben, sehen sie natürlich nicht. Schließlich kläffen meine Hunde, nicht deren Hunde.

Besonders beliebt sind bei uns auch die Hundehalter, die mit einem Hund stehen bleiben, erwartungsvoll schauen und hoffen, dass beide Hunde sich Hallo sagen möchten! Gerne springt und zieht der andere Hund am anderen Ende der Leine. Er ist bestimmt so aufgeregt, weil er einen Hundekumpel gesehen hat, den er ja unbedingt begrüßen will……… Als erstes: Hunde sehen andere Hunde nicht als Hundekumpel an! Das ist einzig und allein ein menschlicher Gedanke! Warum soll auch ein Hund einem anderen Hund Hallo sagen? Glauben diese Menschen wirklich, dass ihr Hund in dem Augenblick Hallo sagt? Letztens stand eine ältere Dame mit einem kräftigen Boxermix an der Leine und besagter Boxermix war aufgeregt und wollte zu Karli hin. Sie stand lächelnd und wartete auf uns. Ich ging weiter meinen Weg, auf ihrer Höhe sagte ich: bitte keinen Leinenkontakt. Sie: aber er will doch nur Hallo sagen……. Ihr Hund war am springen und am hin und her hampeln, sie konnte ihn schwer halten. Ich teilte ihr nur mit, dass wir keinen Leinenkontakt wünschen und sie bitte ihren Hund zurücknehmen soll. Ich bin dann höflich, aber bestimmt. Selbst wenn eine freundliche Begrüßung zwischen zwei Hunden möglich ist, wer sagt einem denn, dass nicht einer der Hunde doch grummelt und der andere sofort beißt? Eddie war ein Hund, der wirklich nur freundlich war. Mit ihm hatten wir damals sogar auch immer wieder Leinenkontakte (zu der Zeit wusste man es aber nicht unbedingt besser). Aber wir haben ihn auch lesen können und anhand seiner gesamten Körperhaltung gesehen: da passt es. In den letzten Jahren haben wir aber auch bei ihm keinen Leinenkontakt mehr zugelassen.

Ist es denn wirklich so schwer, einfach aneinander freundlich lächelnd vorbei zu gehen? Jeder geht mit Abstand und den Hund jeweils auf der anderen Seite aneinander vorbei.

Neben all diesen Hundehaltern gibt es aber auch gerne die Mountainbiker im Wald/Feld/Wiese/Wege, die von hinten angeschossen kommen (können selbstverständlich auch Fahrradfahrer ebenso gut) und kurz hinter einem klingeln und dann erwarten, dass der Hundehalter mitsamt Hund sich quasi in Luft auflöst. Manchmal kommen sie auch von vorne und je nach Wegbeschaffenheit sieht man sich nicht sofort. Können wir den Weg nicht gut einsehen, wird von uns die Schleppi kürzer genommen. Taucht aber unerwartet schnell ein Biker auf und steht vor den Hunden und versucht sich noch vorbei zu drängeln, kann ich sehr langsam die Leinen sortieren. Er fährt doch im Wald, weil er Lust und Spaß daran hat. Warum sind ihm dann andere Menschen so verhaßt? Ach ja, man stört ihn ja. Ich nehme doch in dem Augenblick Rücksicht und wenn man es mal nicht so schnell mitbekommen hat, versuche ich schnellstmöglich Rücksicht zu nehmen. Warum können es Biker/Fahrradfahrer nicht? Ok, ich kann mir vorstellen, dass einige auch schon sehr schlechte Erfahrungen machen mussten und das tut mir auch ehrlich leid. Wobei wir dann wieder beim Thema Rücksicht sind.

Fassen wir also zusammen: Hundekontakt an der Leine ist doof! Nehmt eure Hunde auf die andere Seite, so dass die Menschen aneinander vorbei laufen und nicht die Hunde. So ist genügend Abstand zwischen den Hunden. Leint eure Hunde an oder ruft sie zu euch, wenn euch ein angeleinter Hund entgegenkommt. Fragt und diskutiert nicht, warum der andere angeleint ist: es hat immer einen Grund! Sei es Training, krank, alt, mag keine Leinenkontakte etc.. Geht mit eurem Hund nicht an einem anderen Hund vorbei und schmeißt fröhlich ein Bällchen! Schmeißt den Ball erst, wenn der andere Hundehalter ein Stückchen weg ist. Achtet auf euren Hund, wenn ihr an anderen Hundehaltern vorbei geht. Mitunter strahlt und signalisiert euer Hund etwas aus, was den anderen beunruhigt. Man muss nicht auf sein Handy schauen oder durch die Gegend, man darf auf seinen Hund durchaus achten. So kann man manche Situation viel besser vermeiden.

Natürlich ist manches Verhalten menschlich und auch wir müssen uns immer wieder daran erinnern: Rücksicht –> Verhalten, das die besonderen Gefühle, Interessen, Bedürfnisse, die besondere Situation anderer berücksichtigt, feinfühlig beachtet.

3 Kommentare zu „Rücksicht“

  1. Das spricht mir aus dem Herzen. Gestern nur kurz um den Block. Extra den Waldweg genommen um Begegnungen zu vermeiden aber…. eine Horde Jugendliche. Hunde ohne Leine und dann noch ein Mountainbiker. Aber genau dieser war höflich. Hat mit Abstand gehalten und gewartet bis wir Platz machen konnten. Auch hat er sich bedankt und einen schönen Tag gewünscht. Das hat mich dann etwas milder gestimmt

    1. Da freue ich mich immer sehr drüber, wenn jemand so nett und freundlich ist. Ich finde es auch toll, wenn jemand an mir vorbei fährt und zur Kenntnis genommen hat, dass ich Platz gemacht habe und Danke sagt. Dann kommt von mir immer ein gerne. So macht das Leben doch gleich viel mehr Spaß.

  2. Ja das mit der Rücksicht….ist schwierig. Wirklich schwierig.
    Ich erlebe es leider sehr oft genauso und da ich einen Leinenpöbler habe, bin ich auch noch meistens „die dumme“, denn mein Hund hat ja offenbar ein Aggressionsproblem und ich bin als Halter ungeeignet. Mußte ich mir tatsächlich schon oft anhören. Da braucht man dickes Fell für und sehe viel Zeit in Selbstreflexion. Mittlerweile weiß ich warum sich Jake so verhält wie er es tut und das es vielleicht besser wird, aber nie aufhört. Und ich bin gelassener und kann manchem dummen Kommentar besser begegnen.
    Aber auch bei mir gibt es Tage an denen ich schon beim aufstehen merke „heute hab ich keine Geduld, heute darf mir keiner quer kommen, heute hab ich Migräne oder whatever“ und dann geh ich extra Wege wo wirklich keiner ist. Denn auch meine Geduld ist begrenzt. Und ich kann mitunter impulsiv sein.
    Aber ich möchte diesen Kommentar mit etwas positivem beenden. Auch wenn viele Menschen Hohlbratzen sind (ja das ist frech aber wer sich den Schuh anzieht hat wohl seine Gründe), so erlebe ich ganz oft auch Verständnis und positive Resonanz. Und das zählt mehr als alles negative, auch wenn es manchmal schwer zu finden ist.
    In diesem Sinne:
    Bleibt gesund!

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