Fairness im Hunderudel

Angeregt durch das Lieblingsrudel und ihrem Beitrag: Fairness im Hunderudel und ihre Frage: wie läuft es denn bei euch, folgt nun hier mein Beitrag. Als wir Karli zu uns holten, hatten wir ja einen Althund von 14 Jahren bei uns. Wir wussten, dass dieser Schritt durchaus gewagt ist. Aber Eddie hat Karli ganz freundlich aufgenommen und ihn ebenso behandelt. Es war für uns unerfahrene Zweithundebesitzer ein angenehmer Einstieg in das Leben mit zwei Hunden. Wirklich erzogen hat Eddie Karli nicht mehr. Entweder hat er kein Interesse daran gehabt oder vielleicht auch keine Kraft mehr. Da er aber doch zum Schluß mehr der gemütliche Typ gewesen ist, denken wir, dass es eine Mischung aus beiden gewesen ist. Ob er ihn erzogen hätte, wenn er jünger gewesen wäre? Ich weiß es nicht. Eddie war zu anderen Hunden einfach viel zu lieb und zu gut und zu freundlich 😉

Richtig interessant und lehrreich wurde es für uns erst mit dem Einzug von Cooper. Karli, 8 Monate alt trifft auf Cooper, 8 Wochen alt. Ein Junghund, in der Pubertät und ein Welpe. Ihr seht, wir lieben interessante Mischungen 😉

Es war am Anfang schon alles ziemlich spannend und neu und wir mussten uns komplett umstellen. Denn auf einmal war da ein Hund, der in den Erziehungsmodus geht. Ich muss aber gestehen, dass ist uns anfangs gar nicht so bewusst gewesen. Natürlich wussten wir, dass er ihn zurechtweisen wird und kann, aber wie das aussehen oder sich gar anhören wird, dass wussten wir nicht. So waren wir schon erschrocken, wenn es laut wurde und in unseren Augen “böse”. “Böse” von Karlis Seite aus. So haben wir in der ersten Zeit uns auch manches Mal eingemischt: Karli hat Cooper zurecht gewiesen, auf ihn drauf und Cooper schrie anfangs laut los. Glaubt mir, da wird einem anders und man sieht diesen kleinen Welpen verletzt da liegen 😉 Also Karli zusammen geschissen. Wir haben Cooper angeschaut und kein Kratzer war dran. Sicherlich wird er ihn gezwickt haben, aber mehr auch nicht. Wir kannten halt das alles nicht und waren auch ein Stück weit verunsichert. Ist Karli böse? Aggressiv? Klappt das auf Dauer mit beiden zusammen?

Bis uns nach zwei, drei Wochen klar geworden ist: Karli hat nichts gegen ihn, er ist ihm gegenüber nicht aggressiv. Er erzieht ihn!! Glaubt mal, an dem Tag sind uns echt Schuppen von den Augen gefallen. So sind wir mehr in den Beobachtungsmodus gegangen.

Wenn ein Terrier einen anderen Terrier erzieht, dann ist das wirklich eine Hausnummer. Da wird es laut, da wird heftig geknurrt und der Ältere geht den Jüngeren an. Er treibt ihn in die Ecke, er steht mit geschwellter Brust vor ihm, er zieht ihn an den Ohren und Cooper? Cooper hat angefangen zu verstehen und legte sich hin. Zum Teil auch auf den Rücken und signalisierte ihm so: es ist ok. Ich habe verstanden. Es gehört einfach zu ihrer gemeinsamen Kommunikation dazu, dass sich beide so kennenlernen und sich gegenseitig ihre Grenzen zeigen und stecken. Denn natürlich ist Cooper als Baby extrem. Er wacht morgens auf und will spielen. Aufdringlich spielen. Seine kleine Welt ist rosarot und nur zum spielen da. Karli wollte morgens aber erst seine Ruhe haben. Also knurrte er ihn an, wenn er in seine Nähe kam. Akzeptiert Cooper das Knurren nicht und setzt sich darüber hinweg, ist Karli runter von der Couch und auf ihn zu und ihm gezeigt: Stop! Karli macht das auch sehr eindrucksvoll 😉 Anfangs haben wir echt gedacht: gleich fließt Blut. Aber nein, es gehört zu ihrem Zusammenleben dazu.

Hat Karli ihn gemaßregelt und ihm seine Grenzen gezeigt, beobachtet er ihn. Dann kommt es aber auch vor, dass er dann zu Cooper hingeht, ihn abschnüffelt, ihn anstupst, ihm über die Schnauze leckt. Daraus entwickelt sich dann meist ein Spiel und beide spielen miteinander. Das war sehr interessant mit anzusehen, wie er sich hinterher doch um ihn “kümmert”.

Im Hunderudel lernen also nicht nur die Hunde, sondern auch die Besitzer. Mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt, dass es mal rauer zugeht. Das aber doch alles ganz normal ist und zu unserem Zusammenleben dazu gehört. Wir schauen mittlerweile auch gar nicht mehr so hin, wenn beide zugange sind. Natürlich wenn es mal zu heftig wird und beide sich reinsteigern, dann trennen wir sie. Ihr habt richtig gelesen, beide. Denn Cooper mischt mittlerweile auch gerne mal mit. Natürlich, denn er möchte sich ja auch behaupten. Wenn er in die Pubertät kommt, könnte es vielleicht nochmal interessant werden. Aber das lassen wir einfach auf uns zukommen. Denn beide Hunde sind absolut klar im Kopf und können auch toll miteinander spielen. Dieses Spiel ist aber ebenso seltenst leise und wenn Menschen das nicht kennen, wirkt es durchaus wild 😉 Deswegen schmunzeln wir auch immer, wenn wir draußen Hundebegegnungen haben und ein anderer Hund nähert sich Cooper und Cooper freut sich einen Wolf und springt sofort an und ist ohne Ende freundlich aufdringlich. Der andere Hund will mitspielen, ist meistens etwas größer und dann kommt sofort von den Besitzern: vorsichtig, dass ist noch ein Baby……. Wir lächeln meistens in uns hinein und denken uns: wenn ihr wüsstet…….

2 Kommentare zu „Fairness im Hunderudel“

  1. Oh, ich würde ja zu gerne mal bei euch sitzen und die beiden beobachten! Echt sehr interessanter Artikel! Ich finde es super, dass ihr euch dran gewöhnt habt und nun mehr beobachtet. Die Kommunikation unter Hunden ist so spannend und wir Menschen können dadurch so viel über unseren eigenen Umgang mit den Hunden lernen.

    Liebe Grüße an dich und dein Lieblingsrudel,
    Franziska, Murdoch und Freya ❤️

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.