Ist jeder Hund nun gleich ein Superhund?

Ich denke, dieses Phänomen gibt es überall. Weit verbreitet bei Eltern: mein Kind kann schon laufen und sprechen, tanzen, singen und das Alphabet vorwärts rückwärts aufsagen… deins noch nicht? Überhaupt ist mein Kind = Superkind… kann früh lesen, schreiben, sprechen, laufen etc…..

Dieses Phänomen gibt es auch bei Hundehaltern. Es ist mir in der letzten Zeit irgendwie besonders aufgefallen. Natürlich sage auch ich: mein Hund, meine Hunde sind die schönsten. Völlig legitim und sollte man auch denken. Aber protzen und erzählen, was er alles tolles kann und was er noch nie gemacht hat? Nö. Definitiv NÖ! Natürlich wird es die Super-Dogs geben: die, die nichts machen, nicht bellen, nichts kaputt machen, total brav sind…. aber wir haben doch Lebewesen vor uns und so wie wir Menschen unterschiedlich sind, sind auch die Hunde unterschiedlich.

Jetzt sprechen wir einfach mal von einer etwas wilderen Rasse (ich nenne keine speziell, aber bleiben wir doch bei den Terriern 😉 Liegt nahe oder? 😉
Schon gehört, gelesen, mitbekommen, aufgenommen etc. pp: unser ist sooooooo lieb, unser ist soooooooooooo toll, unser bellt nicht, unser ist voll entspannt…..etc.
Dann schaue ich mir unseren Karli  und aktuell jetzt unseren Cooper an und denke: seid ihr so anders?? Versteht mich nicht falsch: Karli ist super lieb, ein wirklich toller Hund und er entwickelt sich immer mehr und immer weiter. Aber ich kann definitiv auch seine Schwachstellen aufzeigen und offen sagen. Ist ja nix schlimmes. Es gibt einfach manches, was er nicht mag und hey: er ist jetzt knapp 8 Monate alt. Er muss nicht unbedingt tiefenentspannt sein, er darf auch mal bellen und wild sein und er darf auch Sachen machen, wo er erst lernen muss, dass er das nicht darf. Mit ca. 5 Monaten war er stubenrein. Manchmal ist trotzdem was daneben gegangen… SO WHAT! Es gibt Situationen, da ist er total entspannt und dann aber kann es bei ihm umschlagen. Er ist ein Terrier. Ein waschechter Terrier, ein Jungspund, in der Pubertät langsam, seine Grenzen suchend. Warum soll er denn in diesem Alter schon perfekt hören? Rückruf z.B.: wir laufen mit Schleppleine und trainieren es. Es klappt gut, aber für den Kerl lege ich meine Hand zur Zeit nicht ins Feuer. Mal gehen die Pferde durch mit ihm und dann rennt er richtig weit vor. Außerdem darf ich nicht vergessen: ein Parson Russell Terrier ist durchaus ein Jäger! Außerdem ist er  ja noch in der kompletten Ausbildungsphase! Wie sagte unser Hundetrainer: das erste Jahr ist ein reines Erziehungsjahr! Recht hat er! Karli zieht auch an der Leine. Von einer guten Leinenführigkeit können wir noch lange nicht sprechen. SO WHAT? Wir sind ja dran und trainieren es und auch das klappt immer besser. Aber wenn Karli uns eines gelehrt hat, dann ist es Geduld zu haben. Viel viel Geduld. Warum muss er auch mit knapp 8 Monaten perfekt auf einen Rückruf hören oder eine super Leinenführigkeit haben? Schreibt das irgendwer vor? Warum zur Hölle protzt ihr da draußen mit euren Hunden dann so? Toll, dass es bei euch klappt. Aber dafür klappt manches anderes bei euch vielleicht nicht. Falls doch alles super klappt: ja super. Ich freue mich da ehrlich für euch. Ich selbst aber käme gar nicht  auf den Gedanken woanders zu sagen: oh bei uns klappt das Sitz aber von Anfang an perfekt. Aber das haben wir auch von Anfang an sofort geübt. Super für euch, ehrlich! Lobt doch einfach lieber andere Hundebesitzer, dass die so toll daran arbeiten.

Bei Cooper arbeiten wir zur Zeit an der Stubenreinheit. Klappt mehr mäßig, als mittel. Was nicht an Cooper liegt, mehr an uns. Aber wird schon werden. Was wir allerdings von anfang an bei ihm machen: viel mehr Geduld haben. Verstehen und akzeptieren, dass manches nicht sofort klappt oder der Hund bei XY länger braucht als ein anderer. Wir haben eine sehr schwierige Rasse. Eine Rasse mit einem großen Selbstbewusstsein, einem großen Herzen, manchmal mit einer großen Fresse, aber auch zum Teil hochsensibel. Eine Rasse, die wild und ungestüm sein kann und doch wiederum auch so zärtlich und sanft. Eine Rasse, die wirklich eine gute Erziehung benötigt und wo man auch dran bleiben muss. Aber es macht Spaß und dennoch werden wir nie den perfekten Super-Dog bei uns zu Hause haben. Was auch völlig ok ist. Es gibt gewisse Regeln und es gibt gewisse Sachen, da legen wir großen Wert darauf und an denen arbeiten wir.

Übrigens… mit Eddie hatten wir zum Teil wirklich ein Schaf als Jack Russell Terrier. Er war so dermaßen lieb. Aber glaubt mal, anfangs in der Hundeschule hat ihn diese nicht interessiert bzw. ihn hat mehr der Trainer interessiert und dieses lautstark durch herum Genöle und Gequengel klar gemacht. Da standen wir dann mit unserem 5 Jahre alten Jack Russell, der nicht ruhig sitzen bleiben wollte, weil er lieber zum Trainer wollte….. Wann war Eddie perfekt? Nie. Was auch total gut war. Wir wussten irgendwann, Rückruf klappt. Wir wussten irgendwann, jetzt kann man ganz entspannt mit ihm gehen… jetzt ist die Erziehung fertig. Da war unser Eddie dann ein Senior 😉 Da hatten wir einen entspannten Russell Terrier. Der durchaus aber auch qengelig sein konnte.

Also ihr lieben tollen Hundebesitzer da draußen: einfach weniger protzen, was euer Hund alles so toll kann, sondern mehr andere Hundebesitzer loben und unterstützen. Denn kein Hund ist perfekt und ein Super-Dog 😉 Was auch völlig ok ist. Traut euch einfach nur mal es auszusprechen… irgendwas gibt es immer 😉

7 Kommentare zu „Ist jeder Hund nun gleich ein Superhund?“

  1. Danke für einen ehrlichen Artikel eine normale Einstellung zu allem was der Neuzugang eines Hundes in die Familie sein sollte. Klar schreiben oder reden die Leute nur über die Erfolge, die schönen Seiten mit einem jungen Hund, und das besonders in den Sozialen Medien, denn sobald sie etwas negatives berichten, schneien Besserwisserkommentare und leider nur sehr wenige ‘normale’ Reaktionen, die Worte die Mut machen sind in diesem Fall die positiven aber wenige würden zugeben auch so eine Phase mit dem eigenen Hund zu durchleben. Und wenn diese schwierige und dennoch wunderbare Zeit abgeschlossen ist, dann ist man entspannt und sieht nur noch das hier und jetzt und das ist auch gut so.
    Glückwunsch zu zwei normalen Hunden, zwei glücklichen Terriers die euch beiden noch viel Freude bereiten werden. Von mit aus alles Liebe und nicht den Mut verlieren an manchen Tagen… Menschen die sich für einen Parson Russell entscheiden wollen keinen langweiligen Hund dessen Augen nur leuchten wenn der Futternapf gefüllt wird. Mit Karli und Cooper habt ihr Entertainment im Haus, das hält alle jung und fit

  2. Ein toller Artikel, finde ich! Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Lauter Superhunde, überall! Genauso schlimm wie bei den Kindern. Das liegt aber auch ein bißchen an der allgemeinen Einstellung, dass Leute die versagen sich lächerlich machen, glaube ich. Was ist so schlimm daran, nicht gleich alles zu können? Ich finde es nur schlimm, nicht zu üben, weil andere sich drüber lächerlich machen könnten. Wir lernen jeden Tag was Neues, wenn wir das wollen. Das sollten wir auch unseren Hunden zugestehen, die sich ja irgendwie in unserer menschlichen Welt zurechtfinden müssen.

    1. Ich weiß nicht, was daran schlimm ist. Auch dieses extra betonen, wie toll doch der Hund ist. Der vielleicht noch ein Welpe ist und natürlich toll ist, aber doch nur Blödsinn im Kopf hat. Wenn man das hört, dann denkt man, man hat den einzig „Schlimmen“ aus dem Wurf erwischt

  3. Klasse geschrieben!! Terrier ist Terrier und was heute gut klappt hat er vielleicht morgen wieder vergessen und übermorgen klappt es wieder:-) Was vor der Pubertät gelernt wurde ist in der Pubertät vergessen und dann wieder da. Unserer ist jetzt fast 8 Jahre alt, hat einiges mitmachen müssen ( Hüft-OP und Kastration) ist zu 85% ruhiger geworden, aber dann gibt es Tage da ist er wieder ein “Jungspunt” mit allem Unsinn – und alles in allem ist der unser!!!! heiß geliebter Schatz mit seinen Tücken der abends entspannt zwischen uns auf der Couch liegt und schnarcht.
    Der (die) eigene(n) Hund(e) sind eh die besten und damit muss ich nicht angeben sondern nur genießen!!!!

  4. Super geschrieben und so wahr
    Ich hab auch einen Terrier, gut abrufbar, lieb zu allem und jeden
    Aber auch stellt mit seinen acht Jahren schon mal auf Durchzug und er klaut Walnüsse
    Mein Hund ist mein bester Freund, er muss kein dressiertes Zirkuspferd sein

  5. Ja, so ist es – perfekt ist niemand. Um mich herum an der Hundewiese ist das optimale Gewicht der Hunde das neue Statussymbol unter Hundehaltern. Paul wurde beleidigt. Er wurde mindestens 6 Kilo zu schwer geschätzt! Blöde Kuh …

    Es gibt Menschen in meinem Umfeld, die der Meinung sind, dass ich zu streng zu Paul bin. Er sei ein gebrochener Hund, der stumm performen würde und das läge an meinem Drill. Kennst Du diesen Paul? Ich nicht. Anderseits sagen ich allerdings auch immer nur halb im Scherz, dass er optimiert wird, bis er in die Kiste springt … im Moment wird das Kuscheln perfektioniert. Ich darf inzwischen sogar mit meinem Kopf an seinem Kragen kuscheln. Schön, oder?

    Ihr macht das alles so, wie es für Euch gut ist. Weiter so!

    1. Paul zu dick?? Paul hat viel Fell. Aber ist nicht dick. Ebenso Cooper, der zwar liebevoll von Uups Pummelfee genannt wird, aber nicht dick ist, sondern das Fell ihm an der Seite absteht. Du und streng zu Paul? Was sind das für blöde Hundehalter auf die du triffst?? Du bist absolut hundisch fair zu ihm. Paul ist wirklich toll erzogen. Und ich weiß ja auch, dass er mal nicht hören kann was absolut ok ist, denn sonst hört er. Ihr beide habt Paul toll erzogen. Paul ist ein wirklich toller Hund. Absolut fair zu anderen, selbst zu alten starrsinnigen Tauben Jack Russell ;)) gebrochen? Wie kommt man auf so einen Schwachsinn? Er ist selbständig, hört, freundlich… wir müssten mal zusammen auf diese Hundehalter treffen

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