Der schwerste Gang eines Hundebesitzers

Mein Seelenhund du….

Es ist so unglaublich schwer und unbegreiflich: aber du bist einfach nicht mehr da. Du bist nicht mehr bei uns. Wir wussten ja, dass unsere gemeinsame Zeit immer weniger wird. Sie immer begrenzter ist. Aber wir rechneten fest noch damit, mit dir zusammen 2019 zu erleben.

Doch leider spielt das Leben nie so mit und es ist alles anders gekommen. Wir hatten zwei gesundheitliche Probleme mit dir (ab und zu mal Sodbrennen und immer wieder Quietschen im Darm), hatten das bislang aber gut im Griff und außerdem solltest du jetzt Anfang 2019 eine große Blutuntersuchung bekommen. Doch du mein Herz, du hattest andere Pläne. Hatten wir noch nach Weihnachten das Futter umgestellt und ging es dir dann noch zwei Tage gut, war von einem Tag auf den anderen auf einmal alles vorbei. Am 30.12. begrüßte uns frühmorgens wieder dein Quietschen im Darm. Wir gaben dir deine Medikamente und hofften, dass es gleich vorbei sind wird. Doch dann hast du dich auf einmal erbrochen und heraus gekommen ist Blut. Da war mir klar, dass es voraussichtlich ein scheiß Tag werden wird für uns. Wir sind dann mit ihm in eine Tierarztpraxis gefahren und dort wurde Ultraschall gemacht. Zumindest wissen wir jetzt endlich, dass das Quietschen im Darm eine dicke Entzündung gewesen ist. Schade, dass bislang vorher kein Ta darauf gekommen ist, mal eine Ultraschalluntersuchung zu machen. Es ist ja nicht so, als wären wir vorher nie bei einem Ta gewesen. Nun weiß ich es aber und werde, wenn etwas ähnliches ist, darauf bestehen, dass mal mit Ultraschall geschaut wird. Aber die Entzündung war nicht der ausschlaggebende Punkt…. selbst wir Laien konnten im Ultraschall sehen, dass die Leber echt beschissen aussieht. D.h. wir konnten die Tumore selbst erkennen. Außerdem war entweder ein Geschwür oder eine Metastase im Magen. Bevor der Arzt etwas sagte, wussten wir, dass sich unsere gemeinsamen Wege nun bald trennen würden. Und doch war es wie ein Schlag ins Gesicht, als der Arzt sagte: warten sie bitte nicht mehr so lange……

Wir wollten ihn am nächsten Tag gehen lassen und Eddie hat uns die Entscheidung abgenommen. Er hat noch einmal Blut gebrochen, viel Blut und als wir ihn sahen, war alles klar. Er hat es so klar gezeigt. Da mussten wir dann den schwersten Schritt gehen. Ab zum TA und in meinem Arm ist Eddie dann eingeschlafen. So wie ich es ihm irgendwann mal versprochen habe, dass er in meinem Arm sein wird. Wir haben Karli dann an Eddie schnüffeln lassen, damit er verstehen kann, warum Eddie nicht mehr da ist. Er hat auch sehr lieb ihn abgeschnüffelt und sich dann auch abgewendet und er hat ihn nicht angestupst oder so.

Eddie haben wir nicht beim TA gelassen, denn das konnten wir beide nicht. Vor zwei, drei Jahren haben mein Mann und ich einmal darüber geredet, was wir machen werden, wenn es soweit ist. Nur das man sich einig ist, wenn es soweit ist und man dann nicht noch darüber reden muss, und wir waren uns sehr schnell einig. Uns war klar, dass wir Eddie gerne verbrennen lassen möchten und er in einer schönen, ansprechenden Urne wieder zu uns nach Hause kommt. Dort, wo er 14,5 Jahre auch gelebt hat: bei uns und mit uns. Manch einer kann das doof finden oder andere können das nicht, andere möchten den Hund lieber vergraben oder manche lassen auch den Hund beim TA. Und ist es nicht schön, dass jeder machen kann, wie er es gerne möchte und wie er am besten damit umgehen kann? Ich denke ja. Man soll sich ja sogar den Hund ausstopfen lassen können. Gut, dass wäre nun gar nichts für mich. Aber wenn jemand das für sich gut findet, dann soll derjenige das machen.
Ich habe irgendwann mir mal einen “Bestatter” abgespeichert. Diesen hatten wir auch angerufen und er hat Eddie bei uns zu Hause abgeholt. Allerdings nicht aus der Wohnung, sondern wir hatten Eddie im Auto gelassen.

Ich hatte sehr sehr große Angst vor diesem Tag. Als Hundebesitzer weiß man, dass dieser Tag irgendwann kommen wird. Ja, es ist ein Scheißtag! Aber man glaubt gar nicht, wie stark man dann doch auf einmal sein kann, wenn dieser Tag gekommen ist. Für mich war immer klar, so schwer es mir auch fallen wird und ich Rotz und Wasser heulen werde, Eddie werde ich niemals alleine lassen. Auch nicht in seinen letzten Minuten. Ich habe ihn im Arm gehabt, ihm gesagt, dass er bald keine Schmerzen mehr hat, dass er laufen kann über grüne Wiesen, dass es völlig ok ist, dass er gehen kann, habe ihn gedrückt und geküßt. Wie sagte mein Mann gestern zu mir: er hat übrigens zum Schluß gelächelt.

Man fragt sich immer: finde ich den richtigen Zeitpunkt, woher soll ich wissen, wann der richtige Zeitpunkt ist? Wenn ihr euren Hund genau kennt, werdet ihr es wissen. Ihr werdet es merken, ihr werdet es spüren. Ein Hund zeigt Anzeichen und dann geht gemeinsam mit eurem Hund diesen, für euch so schweren Gang. Für euren Hund ist es der allergrößte Liebesbeweis.

                                                                                                                                                           Eddie
                                                                                                                                       *06.03.2004 – + 30.12.2018

12 Kommentare zu „Der schwerste Gang eines Hundebesitzers“

  1. Ganz ähnlich ist es bei unserem Champi abgelaufen. Er hat es uns auch deutlich gezeigt. Sabine wollte es immer nicht wahr haben aber es war soweit. Als dann die TA kam sagte Sie “och Junge du bist ja schon wohin du willst … nun schlägt nur noch dein Herz”. Wir haben Champi auch einäschern lassen und heute steht er Würdevoll bei uns .

    1. Eddies Blick ist vorher auch auf einmal traurig geworden… er blickte woanders hin. Aber dann ging es wieder und er war unser kleines verfressenes Monsterchen. Trotzdem hinterlässt es manchmal den Gedanken, auch wenn man es besser weiß, war es richtig? Aber ja, dass war es.

  2. Kaum zu glauben, genau so erging es uns auch. Burli hatte 2 Tage erbrochen, wir in die Klinik, dort die Diagnose Multiorganversagen – schock – wir sind dann wie ihr mit dem kleinen, leblosen Kerl nach Hause und haben ihn im Garten vergraben! Das war echt so ein Trauma, auch wenn er schon 17 war, für mich viel zu früh !

  3. Was für ein schöner emotionaler Bericht, der anderen Hundebesitzern Mut macht, diesen letzten Gang mit ihrem Liebling zu überstehen.
    Ich drück dich ganz fest ♥️

  4. Ach Eddie, du kleiner Hund mit einer so großen Persönlichkeit. 2006 haben wir uns kennen gelernt, als ich mit Aiko zu Dirk kam. Und ihr beide habt euch gesehen und geliebt. All die Jahre, bis ich 2014 von Düsseldorf weg gezogen bin. Er hat ganz bestimmt im Hundehimmel schon auf dich gewartet und sich wie Bolle gefreut, als er dich an der Brücke in Empfang genommen hast. Und du turnst jetzt wieder auf ihm herum und machst einen auf Bremer Stadtmusikant. Aiko, das olle Schaf, läßt sich ja alles gefallen

    Andrea und Micha, ich kann so gut nachvollziehen, wie es euch grad geht. Wie ihr wißt, ist mit Luna ja auch bei mir ein Vierbeiner zurück geblieben, als ich Aiko gehen lassen mußt. Luna war die ganze Zeit dabei. Die Familie hatte sich im Garten versammelt und ich hab neben Aiko gelegen. Hab ihm auch gesagt, dass alles gut ist und er gehen kann. Wie Karlie hat Luna ihn ausgiebig abgeschnüffelt und sich dann abgewandt. Gesucht hat sie ihn nachher nicht mehr.
    Ich habe Aiko auch kremieren lassen. 2 Tage, nachdem er abgeholt wurde, habe ich im Cremare noch einmal ganz in Ruhe von im Abschied nehmen können und ihn dann bis zum Ofen begleitet.
    Seine Asche ist in der Box, in der sie mir zurück gegeben wurde. Auch seine Hundemarken, sein letztes Halsband, Tasso-Karte und ein paar weitere Kleinigkeiten von ihm sind in der Box.
    Ein wenig Asche ist in meinem Schlüsselanhänger, sodass er immer bei mir ist.

    Seine Asche zu verstreuen, war auch ein Gedanke. Aber der Lieblingsort ist in Düsseldorf und soooo weit weg. Daher behalte ich ihn doch noch bei mir.

    1. Mit Sicherheit sind diese beiden Verrückten jetzt zusammen. Zwischendurch legt Aiko sich hin und Eddie wird auf ihm sein und beide werden laut grunzend spielen ❤️

  5. Liebe Andrea, ich hatte auf Instagram gelesen, dass Ihr Eddie habt gehen lassen müssen. Ich glaube wenn man sein Tier gehen lässt, wenn es an der Zeit ist, ist das der größte Liebesbeweis. Wir haben unseren Speedy damals auch einäschern lassen und haben seine Asche auf einer Wiese verstreut, auf der er gerne war. Ich besuche ihn ganz oft und sehe ihn in Gedanken immer noch über die Wiese flitzen. Ich wünsche euch viel Kraft damit ihr den Verlust verkraftet. Viele liebe Grüße Beate

    1. Das finde ich auch total schön, dass ihr die Asche verstreut habt. In eurem Herzen ist er eh und somit bei euch.

  6. Es tut mir leid, sehr leid!
    Sehr schön geschrieben, ich hatte Tränen in die Augen. Ich habe auch 2 Jack russel terrier, 12 und 11 Jahre alt, und ich möchte noch so viel Zeit mit denen verbringen und ich sage ehrlich, das wir auch, meine Töchter und ich, an diesem Tag denken und davor Angst haben.
    Aber jetzt ist es mit die zwei noch top und viel Spaß und Freude .
    Liebe grüße und viel Kraft.
    Sigrid

    1. Liebe Sigrid,
      gerade unsere Jack Russell sind doch so zähe kleine Teufelchen.. die leben lange! Eddies Halbschwester ist auch sehr zäh und sie ist noch da und wird im Februar 15. Genießt eure Zeit <3

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