Leben mit einem Welpen

Anfangs ist man sehr aufgeregt und man kann den Tag des Einzugs kaum erwarten. Dann endlich ist er da! Der Tag der Abholung! Man ist total geflasht und verliebt und glücklich. Man kommt zu Hause an und man ist wieder aufgeregt: wie wird alles werden, wie wird alles funktionieren. Ach natürlich wird alles klappen. Auf dem Arm hat man den 8 Wochen alten Welpen, der einen abschleckt. Er ist ja so klein, so süß, so niedlich und so lieb. Ach ja, putzig und goldig darf man auch nicht vergessen.

Die ersten zwei Tage vergehen, man ist immer noch aufgeregt und voller Glücksgefühle, wenn gleich die ersten Spaziergänge keine sind, weil der Welpe draußen erst einmal alles doof findet. Leine? Halsband? Die erste Ernüchterung folgt: Welpe kennt das alles ja noch gar nicht. Er muss das alles lernen. Puuuh, doch nicht kaputt! So geht man Stück für Stück und man feuert den Welpen an, so dass die Mitmenschen denken, man hat sie nicht mehr alle….. sie geht doch nur mit einem Hund. Man selbst geht und nun stellt euch eine freundlich fröhliche quiekende Stimme vor: jaaaaa feeeeeein, suuuuuupaaaaaaa machst du das….jaaaaa komm….toll…… und so robbt man sich Stückchen für Stückchen vorwärts.

Auch sonst kommt man viel an die frische Luft. Denn das kleine vierbeinige Modell zu Hause ist noch undicht. Das heißt für den Besitzer: alle zwei Stunden raus, sowie nach dem Schlafen, nach dem Fressen, nach dem Spielen. Selbst wenn ihr das alles befolgt, glaubt mir, dass undichte Modell setzt sich unter Garantie irgendwo hin und pullert oder macht Häufchen. Aber nicht draußen, sondern drinnen 😉 Auch nicht unbedingt immer dort, wo es am vorteilhaftesten wäre wie z.B. der Fliesenboden. Teppich, Badematte etc. Ihr habt somit noch etwas mehr Bewegung, vorausgesetzt eure Waschmaschine steht im Waschkeller. Denn diese wird auch etwas mehr laufen. Papiertücher sollten im Vorratspack gekauft werden und am besten in jedem Raum greifbar stehen. Für den Menschen! Nicht den Welpen! Sonst hat man die Papierrolle quer durchs Wohnzimmer abgerollt und zerfetzt. Beliebt ist auch Klopapier, von dem der Welpe magisch angezogen ist. Sowie Schuhe. Ach ja, Schluppen ebenso. Und Strümpfe! Kleidung! Nackte Zehen! Schnürsenkel! Ihr werdet es lernen, auf einem Fuß balancierend sich die Schuhe anzuziehen. Denn der Welpe will an die Schnürsenkel. Hat man sich erfolgreich die Schnürsenkel aus dem Maul des Welpen heraus gezogen, so muss man nun dem Welpen hinterher rennen, denn er ist mit dem anderen Schuh abgehauen und liegt unterm Tisch fröhlich kauend. Auf dem Schuh wohlgemerkt. Je nach Rasse empfiehlt es sich dann, ein anderes Paar Schuhe anzuziehen. Die durchgekauten könnten Sabber beinhalten 😉 

So gehen die ersten Tage und Wochen ins Land. Mittlerweile klappt es draußen mit der Leine ganz gut, so kommt man trotzdem nicht weiter. Weil sämtliche Passanten deinen Welpen ja ach so putzig und niedlich finden. Sie wissen ja auch nicht, dass er dich vor fünf Minuten mit seinem Killerwelpenzähnen malträtiert und gelöchert hat.

Man lächelt, beantwortet brav die Fragen und schaut auf seinen Welpen, der gerade so schaut, als wenn er kein Wässerchen trüben könnte. Man wird wieder weich und ist wieder verliebt in seinen Welpen. Das endet meist abrupt, wenn man wieder zu Hause hat, man gerne etwas erledigen möchte und der Welpe gerade seine fünf Minuten hat und durch die ganze Wohnung über Tische und Bänke fetzt. Kann er sich denn nicht einfach in sein Körbchen legen und ruhig spielen? Man legt den Welpen in sein Körbchen ab und dreht sich um und will in die Küche gehen. Angekommen in der Küche wird man mit Knopfaugen in Empfang genommen. Der Welpe ist so wuselig flink, er ist schon vor dir da. Zerrt schon fröhlich an der Mülltüte, reißt Stücke heraus. Oh Mist, Plastik ist scheisse. Also schnell hinterm Welpen her, der mit seiner Beute stolz abgehauen ist. Hat man den Welpen bekommen, macht man das, was man in den ersten Lebenswochen mehrmals täglich machen wird: Maul auf, Finger rein, heraus holen was der Welpe im Maul hat. Ist man draußen unterwegs, empfiehlt es sich Feuchttücher mitzunehmen. Nicht immer ist es nur ein Stück Holz. Je nach Spaziergang kann es auch Schafsköttel sein…..

Nach spätestens drei Tagen werdet ihr euch die Frage stellen: wie blöd konnte ich eigentlich sein und mir einen Welpen anschaffen? Wer zur Hölle ist auf diese Idee gekommen? Ab dieser Stelle schließt die Augen, atmet tief ein und aus….. und macht weiter. Denkt euch einfach nur: es ist eine Phase, es ist nur eine Phase! Welpenzeit ist so eine tolle Zeit! Wer eigentlich hat diese Behauptung aufgestellt? Hundebesitzer, die diese Zeit einfach vergessen haben 😉 ?!

Auch bei der Gartenarbeit ist der Welpe gerne behilflich. Nur nicht in eurem Sinne. Er buddelt und ist glücklich, findet alles toll und spannend und man kann ihn zehn Mal aus dem Beet herausholen. Ihr werdet ihn beim 11. Mal wo vorfinden? Richtig! Im Beet!


Die Welpenzeit wird euch auf eine harte Probe stellen! Auch eure Beziehung. Denn in der Hundeerziehung ist es wie in der Kindererziehung. Man zieht zwar an einem Strang, aber es gibt dennoch unterschiedliche Ansichten. Dann gibt man sich gegenseitig zwar Tipps: hast du nicht gehört, was der Hundetrainer letztens gesagt hat? Ja aber….. oder der Partner hat es schlichtweg vergessen. Außerdem ist dieses vierbeinige Modell kein Roboter. Nur weil man ein paar Mal die Hundeschule besucht hat, heißt es noch lange nicht, dass der Hund alles kann. Er muss das ja erst lernen und Dreijährige können ja auch nicht das Abitur machen. Wie soll der Welpe dann alles perfekt und richtig machen? Also durchatmen und weiter machen. Bleibt dran, auch wenn es noch so aussichtslos erscheint. Der Welpe wird es ganz bestimmt lernen. Gebt dem Welpen auch Zeit und vor allem gebt euch auch Zeit. Geduld ist hier das Zauberwort. Klingt schlau, ich weiß. Aber glaubt mir, denn selbst den geduldigsten Menschen wird ein Welpe Nerven kosten 😉 Lasst euch auch nicht verunsichern, wenn ihr euch mit anderen Welpeneltern unterhaltet und der ihr Welpe schon perfekt Sitz und Platz kann. Entweder geben sie an oder er kann es wirklich, auch wenn euer Welpe partout sich nicht hinsetzen mag. Dafür kann vielleicht euer Welpe schon etwas, was der andere nicht kann. Gesteht euch ruhig ein, dass die Welpenzeit Nerven kostet und man manches Mal davor ist, den Welpen wieder dahin zu bringen, wo man ihn her hat 😉 Das es die blödsinnigste Idee ever gewesen ist. Ein Leben ohne Hund könnte doch so schön sein……

Könnte es! Aber uns Hundemenschen würde etwas fehlen. Die unendliche Liebe, wenn man nach Hause kommt und ein wuseliges Etwas auf einen zustürmt und  dich begrüßt. Du seine Zunge und im Überschwang der Gefühle auch die Zähnchen spürst…. deine Brille auf halbacht hängt, weil die Begrüßung so ungestüm war. Du schaust in die treuesten Augen und weißt: darum mache ich das alles….

(Achtung, Beitrag enthält Wahrheit und Ironie und Ähnlichkeit mit lebenden und hier schreibendenPersonen ist natürlich nicht gegeben…;))))) )

3 Kommentare zu „Leben mit einem Welpen“

  1. Jede Phase hat Vor-und Nachteile.
    Aber alle sind sie toll. Vorallem zu sehen wie der Hund sich entwickelt. Spannend finde ich, wie sich der Charakter entwickelt. Emma ist so feinfühlig, sie nimmt Stimmungen wahr und kann so beruhigend wirken. Von einem Bekannten die Ehefrau leidet an Demenz. Emma liebt sie, sie legt sich zu ihr, tut ihr einfach gut. Kleine Kinder, Emma geht so vorsichtig auf sie zu. Ängstliche Hunde das akzeptiert sie und lässt denen ihren Raum. Wir hatten Besuch von Adrians Tante. Die haben einen sehr ängstlichen Hund. Emma saß auf dem Sofa und Bonnie etwas davor bei ihrem Herrchen. Für Emma jedoch im Weg, so hat sie gewartet bis Bonnie sich woanders hingesetzt hat. Sie wollte die Distanz wahren. Das sind Momente die entschädigen für die Stresssituationen.

    1. Emma ist auch eine ganz tolle Hündin und ich finde, sie hat auch etwas Besonderes mit auf den Weg mitbekommen. Natürlich ist die Welpenzeit eine wunderbare und schöne Zeit. Man muss sich das auch nur ins Gedächtnis rufen, wenn man mal zu Hause gerade wirklich mal fertig ist.

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