Blogparade: Die schönen Seiten des Älterwerdens

Ines vom Blog Meyrose hat zu einer Blogparade aufgerufen: Die schönen Seiten des Älterwerdens. Nun ja, taufrisch bin auch ich nicht mehr 😉 Aber ich empfinde mich auch nicht als alt. Ich bin mittlerweile Ü40 und so kann auch ich bei dieser Blogparade gut mitmachen.

Ja, ich bin Ü40. Besser gesagt: 45 Jahre alt. Aber noch dieses Jahr wird die 6 der 5 den Platz streitig machen und diesen auch einnehmen. Habe ich Angst davor? Oder graut es mich davor? NEIN! Denn stellt euch vor, dass Leben jenseits der 40 geht sogar weiter. Und soll ich euch noch etwas verraten? Sogar ziemlich gut! Ich muss immer schmunzeln, wenn ich bei Instagram auf Profile stoße, die ihren 30. Geburtstag oder den 35. oder gar den 40. „bibbernd“ ankündigen……oh bald bin ich schon 35, 38 oder gar bald bin ich 40……

Das klingt so, als wäre es eine Strafe. Aber es ist keine Strafe. Außerdem finde ich, dass die 40 heute die neue 30 ist. Älter werden…. wir können es alle nicht verhindern. Als Kind sehnt man jeden Geburtstag herbei: endlich 6! Endlich 10! Oh, endlich 14! Mit 20 sind Menschen über 40 alt. Keine Frage, ich habe damals ähnlich gedacht. Aber ist man erst einmal 40 geworden und hat man festgestellt, es hat gar nicht weh getan, dann stellt man auch weiter fest, das Leben geht jenseits der 40 wirklich weiter. Bin ich gerne 45 Jahre alt oder wäre ich lieber jünger? Nein! Ich fühle mich wohl mit meinen 45 Jahren. Ich habe zwar nicht die Welt gesehen, aber so manche schöne Reise ist dabei gewesen und einige schöne Orte habe ich gesehen. Für mich muss nicht mehr alles Höher, Weiter, Besser sein…. ich kann mich auch an mein neues Handy erfreuen, obwohl das Modell doch glattweg schon ein halbes Jahr auf dem Markt ist 😉 (wobei ich dieses Jahr Glück habe… ein gewisser Anbieter bringt Anfang November sein neues Smartphone auf den Markt und zwei Wochen später ist mein alter Vertrag ausgelaufen)

Ich selbst muss mit meinen 45 Jahren keine Karriere mehr machen oder anstreben. Wer es mag, um Gottes Willen… der kann das natürlich gerne machen. Denn es soll nicht heißen, dass mit 45 oder über 40 der Zug quasi abgefahren ist 😉 Aber ich brauche es nicht mehr für mich. Ich habe mich hochgearbeitet: von der Schreibkraft zur Sachbearbeiterin. Ich kann vieles entspannter sehen. Ich muss nicht mehr auf allen Hochzeiten tanzen. Ich rege mich nicht mehr über Kleinigkeiten auf, denn die meisten kann ich eh nicht ändern. Ich mag mich auch nicht mehr stressen lassen, denn davon geht die Arbeit auch nicht schneller voran. Überall geht das natürlich nicht so gut, dass ist mir schon klar. Aber glaubt mir, auch wenn ich im öffentlichen Dienst tätig bin, Druck wird auch bei uns aufgebaut und arbeiten müssen wir auch.

Meine Figur muss auch nicht mehr perfekt sein. Ich muss nicht wie eine Wahnsinnige alle Folgen von Jillian Michaels durchhecheln, nur damit ich keinen Bauch habe, sondern ein Sixpack. Ich achte trotzdem auf mich, ich treibe trotzdem Sport und ja, Jillian Michaels habe ich auch schon gemacht. Es spricht auch nichts dagegen, seinen Körper zu formen. Aber es spricht auch nichts dagegen, etwas weiblicher zu sein und halt auch etwas Bauch zu haben. Ich muss mit Essen leider aufpassen, weil ich selbst mich mit einem bestimmten Gewicht nicht mehr mag. Was etwas anders ist, ab einem gewissen Alter: ganz sooo einfach ist es mit dem Abnehmen nicht mehr. Aber mein Mann und ich haben ein Programm gefunden, mit dem wir uns sehr wohlfühlen, mit dem wir lecker Essen können, aber auch abnehmen. Früher habe ich mich selbst da etwas mehr gestresst. Ich MUSS abnehmen, so viel möglich in so kurzer Zeit wie möglich. Ein Ding der Unmöglichkeit. Jetzt weiß ich es. Jetzt habe ich entspannt 5 Kilo abgenommen. Zwei, drei Kilo sollen noch dazu kommen. Aber ich fühle mich jetzt schon wohl. Gerade wir Frauen ab 40 sollten uns wohlfühlen. Denn wir Frauen Ü40 haben so viel erreicht, einiges erlebt und gesehen und so dürfen wir unser Leben genießen!

Die meisten in meinem Alter haben schon Kinder. Je nachdem wann mein erstes Kind geboren wäre, hätte auch ich jetzt schon eine Tochter, einen Sohn von vielleicht 18, 15, 10 Jahren. Ich habe keine Kinder. Ich mag Kinder sehr und viele Kinder mögen auch mich. Aber irgendwie hatte ich nie das Bedürfnis selbst Kinder zu haben. Sicherlich wäre es manches Mal schon schön gewesen, aber ich habe nie eine innere Uhr ticken gehört. Nun mit fast 46 Jahren ist die Batterie in der Uhr auch leer, sprich nun tickt sie erst Recht nicht mehr. Ich finde Familien mit Kindern toll, nur für mich kam es so nicht in Frage. Ich vermisse es auch nicht und ja, ich bin auch etwas zu egoistisch dafür. Ich liebe es machen zu können was ich mag und will. Hätte ich vielleicht vor 25 Jahren einen anderen Partner gehabt, als den damaligen, vielleicht würde es jetzt anders aussehen. Aber ich schaue nicht zurück, denn ich schaue nach vorne. 

Ich weiss zwischenzeitlich, dass das Leben nicht mehr unendlich ist. Wusste ich natürlich auch mit 20 schon, aber wenn man älter wird, dann wird es einem doch bewusster. Man sieht seine Eltern älter werden. Man hat selbst auf einmal das Alter erreicht, welches die eigene Mama hatte, als man eingeschult wurde oder aus der Schule kam. Man weiß, irgendwann muss man seine Eltern gehen lassen. Bei mir war es vor zwei Jahren soweit. Ein trauriger und schmerzhafter Prozess, der mir aber auch gezeigt hat, wie stark man sein kann und wieviel man seinen Eltern zurückgeben kann. Ich habe meinen Papa im Sterbeprozess begleitet und seitdem wurde mir bewusst: vieles ist gar nicht so schlimm, wie es anfangs aussieht. Backofen kaputt, der neue wird ebenfalls kaputt geliefert? Nun gut, doof und ärgerlich, aber es wird seinen Grund haben. Mund abwischen und weitermachen. Nicht ärgern, denn kein Backofen dieser Welt wird davon ganz.

Ich bekomme graue Haare. Ja und? Ich gebe zu, noch wird etwas mit Farbe nachgeholfen, aber nicht mehr bei jedem Friseurbesuch. Und irgendwann werde ich es auch ganz sein lassen. Dann habe ich halt graue Haare, ich bin über 40… ich darf es auch. Ich darf Falten haben, muss aber dennoch damit nicht alt aussehen. Aber ich bekomme keine Midlife Crisis, nur weil meine Zornesfalte einfach nicht dünner wird. Mittlerweile ärgere ich mich auch nicht mehr so sehr über die Falten an meinen Augen. Nichtsdestotrotz suche ich gerne immer noch nach der perfekten Augencreme, denn stärker müssen sie nicht werden. Jetzt noch nicht. Aber ich bin keine 20 mehr und dann gehören auch mal Falten zum Leben.

Ich bin 45 Jahre alt und ja, es gibt sie die schönen Seiten des Älterwerdens. Denn es kommt darauf an, was man selbst daraus macht. Ich trage mit 45 immer noch am allerliebsten Turnschuhe/Sneaker und das wird sich so schnell auch nicht ändern.

Habt also keine Angst vor dem Älter werden. Wir Frauen ab 40, ab 50, ab 60 sind tolle Frauen! Älter werden tut nicht weh!

 

9 Gedanken zu „Blogparade: Die schönen Seiten des Älterwerdens

  1. Ach Andrea, Du bist ne tolle Frau. Ich mag Dich einfach und unsere Leben sind in vielerlei Richtung sehr ähnlich verlaufen… Ich kann Dir fast in allem zustimmen, außer mit dem Gewicht. Das aber ist ja schon immer meine Achillessehne gewesen und ich bewege mich nicht wie Du im Normalgewicht-Bereich mit plus/minus 5 kg… Ich habe derzeit die feste Absicht, doch noch einmal im Leben schlank zu werden und dann auch zu bleiben. Immerhin – die ersten 13 kg sind weg. Daumen drücken bitteschön. 😉
    Ich freue mich, dass Du Dein Leben genießt, denn das scheinen heute immer mehr Menschen zu vergessen. Alle sind so getrieben und gehetzt, missmutig und unzufrieden. Dabei hat man doch nur ein Leben und wir beide wissen, wie schnell es vorbei sein kann…
    Ich wünsche Dir und allen Deinen Lieben nur das Allerbeste. Bleibt alle gesund und fröhlich.
    Liebe Grüße, Alex

  2. Was für ein schöner Beitrag zum Älterwerden! Danke, dass Du mit Deiner persönlichen Geschichte bei der Blogparade dabei bist.

    Ich freue mich, Dich bald persönlich treffen zu dürfen.

    Liebe Grüße
    Ines

  3. Liebe Andrea,
    uns trennen vom Alter her nur ein paar Monate – und ich stimme mit dir überein, was das Älterwerden angeht. Ich merke immer häufiger, wie ich in vielen Dingen gelassener werde … der Fokus im Leben verlagert sich einfach. Und dennoch empfinde ich „die Mitte des Lebens“ oft auch als eine Herausforderung, die Kraft kostet. Wie du schon angesprochen hast: die eigenen Eltern altern sehen. Und dabei begleiten. Wenn sich die Rollen vertauschen und man sich plötzlich verantwortlich fühlt. Und verantwortlich ist. Meine Mutter ist ungefähr zeitgleich wie dein Papa an Krebs erkrankt. Sie lebt glücklicherweise noch, aber sehr sehr eingeschränkt was die Lebensqualität angeht. Mein Vater pflegt sie aufopferungsvoll und ich unterstütze ihn bestmöglichst. Ich habe leider keine Geschwister, das ist dann häufig kraftraubend, denn mir fehlt ein Part, mit dem ich mich über meine Gefühle,
    und meine Ängste austauschen kann, oder mit dem ich mich abwechseln könnte, was die Besuche bei meinen Eltern angeht. Neben einem pubertierenden Sohn, einem psychisch kranken Mann und einer Arbeitsstelle noch regelmäßig, also mindestens einmal die Woche, Mama und Papa besuchen, da bleibt kaum noch Zeit für sich selbst. Verantwortung – und das quasi in alle Richtungen, das schlaucht und ist auf Dauer nichts wirklich Schönes am Älterwerden.
    Im Herzen bin ich wohl irgendwo bei Mitte 30 stehengeblieben, ich bin noch immer ein „Turnschuh-und-Jeans-Mädchen“. Die Figur war schon besser, die Haut straffer und die Falten deutlich weniger. Nun gut, is eben so. Gerade was Äußerlichkeiten angeht, neigen wir ja oft dazu, der Vergangenheit hinterher zu trauern und vergessen dabei, das Jetzt zu genießen. Mit 20 war es völlig normal, dass man „in shape“ war. Mit 30 wird man plötzlich unzufriedener mit sich selbst und denkt „mein Gott, was war das noch alles toll und straff mit 20 …“. Mit 40 denkt man dann „Oh mein Gott, mit 30 warst unzufrieden, dabei war das doch alles noch toll ! Jetzt siehts schlimm aus!“. Und mit 50 vermisst man dann den Körper, den man mit 40 hatte ? Das ist ja eine vorprogrammierte Dauerschleife … insofern bin ich ganz glücklich, mit dem was ich bin.
    Wie jede Phase im Leben hat die Zeit zwischen 40 und 50 Vor- und Nachteile. Die Kunst besteht wohl darin, die Vorteile zu sehen und zu leben und die Nachteile an den Rand zu stellen.

    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Hallo Sabine,
      Danke für deinen Kommentar und das hast du sehr schön geschrieben. Ja, einfach ist es nicht immer. Das mit den Eltern ist zum Teil schon schwer, wenn man viel geduldiger auf einmal sein muss, weil manches nicht so klappt oder sie ihre so ganz eigenen sturen Vorstellungen haben.
      Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft, denn du musst einen ordentlichen Spagat hinlegen.
      Liebe Grüße Andrea

  4. Liebe Andrea,
    Deine Einstellung zum Älterwerden ist großartig. So entspannt wäre ich auch gerne in die 50er gegangen. Ich hab ein wenig länger dazu gebraucht. Ein schöner und ermutigender Text.
    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Liebe Sabine,
      lieben Dank! Es wäre toll, wenn es manch jüngere Frauen ermutigen könnte, dass Älter werden gar nicht so schlimm ist.
      Viele Grüße Andrea

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