Das Leben mit einem älteren Hund

 

Wir haben ja einen Jack Russell Terrier und Eddie ist mittlerweile 13 Jahre alt. Bis zu seinem 10./11. Lebensjahr war er für uns kein älterer Hund.  Auch jetzt ist es für mich immer noch merkwürdig, wenn andere Leute sagen: oh schon 13 Jahre alt? Der ist aber schon alt.
Natürlich ist er älter. Er ist jetzt ein Senior. Aber 13 Jahre für einen Jack Russell empfinde ich jetzt immer noch nicht als alt. Wenn Eddie 15 Jahre alt ist, dann darf man gerne sagen: oh, der hat aber schon ein tolles Alter erreicht oder aber auch: oh, der ist aber alt. Jetzt ist er einfach nur älter. Das hat auch nichts damit zu tun, dass ich es nicht wahr haben möchte, dass er ein älterer Herr ist oder die Augen davor verschließe. Ich sehe ihn einfach noch nicht als alten Hund.

Allerdings sehe ich ihn mittlerweile durchaus als einen älteren Herrn  an. Das merken wir nun auch so langsam. Mit 10 Jahren haben wir noch gar nichts gemerkt. Natürlich brauchte er nicht mehr ganz so große Runden wie vorher, aber er war immer noch topfit. Jetzt mit 13 Jahren ist er altersentsprechend immer noch topfit, aber ihm reichen kleinere Runden aus. Gehen wir doch eine größere, dann wird er zum Schluß (je nach Wetter) langsamer. Im Sommer reduziert sich das Spazierengehen eh immer mit ihm. Eddie liebt Sonne und Wärme. Aber bitte nicht beim Spazieren 😉 Da hätte er am liebsten 10 Grad warmes/kaltes Herbstwetter. Das mit dem Sommer hatte Eddie aber auch schon immer. Bei Temperaturen über 22 Grad schlich er nur noch langsam neben einen her. Aber ok, da stellt man sich einfach darauf ein und man stellt selbst sein Tempo um.
Wie man jetzt auch sein ganzes Tempo umstellen muss. Man sagt, dass Seniorhunde Entschleuniger sind. Oh ja, dass ist wohl wahr. Diese Hunde sind so abgeklärt, so chillig und wahre Entschleuniger. Sie haben einfach alle Zeit der Welt. Da muss man sich einfach darauf einstellen. Die Runden werden zwar kleiner, aber trotzdem dauern diese Runden. Sie schnüffeln hier und schnüffeln da und ruft man sie, dann kommen sie ganz gemütlich angelaufen. War Eddie früher von 0 auf 100 bei einem, nun trabt er gemütlich zu einem heran. Das ändert sich also. Es wird alles soviel gemütlicher und entspannter. Eddie war immer Mister 1000 Volt draußen, Mr. Wibbelfutt. Und nun? Nun chillt er so dermaßen, dass man echt grinsen muss. Wenn wir ihn draußen mal rufen, dann kommt manchmal ein Blick von ihm: ist ja gut, entspannt euch doch, ich komme schon. Aber das draußen rufen ist jetzt auch so eine Sache. Denn zwischenzeitlich ist Eddie altersschwerhörig bzw. taub. Genau wissen wir es ehrlich gesagt nicht. Wie, habt ihr das etwa nicht tierärztlich abklären lassen?? Nein, haben wir nicht. Wozu denn auch? Ich merke es auch so, dass er taub ist. Wenn er einfach nicht mehr so reagiert, wenn man ihn ruft. Oder er im Garten steht und die Nachbarn ihn mal ansprechen. Es kommt null Reaktion. Manchmal ist es etwas peinlich 😉 Aber es kommt von uns immer: Eddie ist taub mittlerweile. Einen Vorteil hat es auch. Es kommt schon einmal vor, dass fremde Leute auf der Straße gerne nach Hunden schnalzen, ansprechen etc. Hat Eddie da früher drauf reagiert, kommt nun keinerlei Reaktion mehr. Da grinsen wir immer in uns hinein.

Ein tauber/schwerhöriger Hund? Muss man da besonders aufpassen? Was beachten? Ja doch, manches muss man schon beachten. Wir schauen immer, dass Eddie uns im Blick hat. Denn ist das nicht der Fall und er hat nicht mitbekommen, wo wir sind, dann dreht er schon einmal um und läuft Richtung Zuhause….. man kann dann rufen wie man will: Eddie hört nix. Da muss man schon mal seine Beine in die Hand nehmen und hinterher flitzen 😉 Ja, ich weiß wovon ich rede. Ist schon vorgekommen. Erst ab da ist es uns erst bewusst geworden, dass er mittlerweile schwerhörig/taub sein muss. Im Alltag ist es uns nicht aufgefallen, denn er liest uns wie ein Buch, er kennt uns sowas von durch und durch. Da er uns so gut kennt, kann er auch unsere Körpersprache so gut deuten und lesen und von daher fällt es fast gar nicht auf, dass da nun mittlerweile etwas anders ist als früher. Wir leinen ihn auch ganz normal ab und laufen mit ihm. Auch durch den Wald. Wir achten nur einfach mehr aufeinander. Wir auf Eddie und Eddie auf uns und das macht dieser ältere Herr so perfekt. Einen Vorteil hat es auch noch. Mochte Eddie früher keine Knallerei, kein Gewitter, kein Feuerwerk etc…. so lässt es ihn schlicht und ergreifend kalt. Es hat letztens gewittert und wir hatten die Balkontüre weit auf. Er lag total entspannt auf der Couch und hat nicht einmal gezuckt. Oder aber auch Silvester. Ach je, dass war immer ein Akt gewesen mit ihm. Er hat sich da so reingesteigert, hat fast hyperventiliert und war voller Panik bei der ganzen Knallerei. Aus diesem Grund sind wir Silvester sogar schon einmal in Urlaub gewesen, nur damit der Hund es ruhig hat. Dank unserer neuen Wohnung haben wir nun Außenrollos und diese sind dann in der kompletten Wohnung unten. Fernseher lauter gestellt und Silvester kann kommen und wird dann von uns Dreien total entspannt verbracht. Es kommt nur ab und zu von Eddie mal ein Blick zu uns: wollt ihr nicht mal langsam ins Bett gehen?? Ihr seid schon über eure Zeit, ich will meine Ruhe haben……
Erst dachten wir auch, dass es von den Außenrollos kommt, aber dennoch kann man die Knallgeräusche hören. Das war dann also unsere zweite Bestätigung, dass eine gewisse Altersschwerhörigkeit eingetreten ist. Aber einen Nachteil sehe ich nicht darin, warum sollte man auch? Denn auch wir Menschen können altersschwerhörig werden.

Ansonsten ist das Leben mit einem älteren Hund einfach nur schön. Man schaut seinen älteren Hund an und man sieht seine ganze Weisheit in den Augen. Der freche wilde Blick von einst ist verschwunden und man kann seine tiefe Liebe zu uns darin sehen. Ein Clown ist er geblieben, wenn auch ein sehr sturer und starrsinniger. Er weiß genau, WAS er will und wie er es bekommt. Da müssen wir manches mal uns an die Erziehung erinnern, denn sonst tanzt er einem auf der Nase herum. Das ändert sich auch mit 13 Jahren nicht. Er kann einen halt perfekt um den Finger wickeln, er ist und bleibt ein Charmeur und es ist so schön, dass sich dann manche Dinge doch nicht ändern 😉

Das Futter haben wir etwas umgestellt und angepasst. Wir barfen ja und bis vor anderthalb Monaten hat Eddie 1 x am Tag zu fressen bekommen. Das klappte auch recht gut. Er bekam nur ab und zu einen Quietschemagen und so haben wir umgestellt auf 2 x am Tag und auch den Obst/Gemüseanteil im Futter erhöht. Seitdem leben wir sehr gut damit. Und das wünschen wir uns auch noch sehr lange. Wir wissen, dass unsere gemeinsame Zeit mittlerweile rückwärts läuft. Wir werden keine weiteren 13 Jahre mehr vor uns haben. Mit Glück vielleicht noch so 5 Jahre? Wer weiß es schon? Ich habe auch nichts dagegen, wenn es dann sechs werden. Aber ihr wisst schon, was ich meine. Unsere gemeinsame Zeit ist mittlerweile irgendwie begrenzt. Das alleine schon zu wissen, ist wahnsinnig schwer. Aber es macht uns noch bewusster, dass wir diese jetzige gemeinsame Zeit umso mehr genießen. Das wir vieles für ihn tun, dass wir sein kleines Leben bei uns so schön wie möglich zu gestalten. Auch, dass wir in manchen Sachen vielleicht auch nachgiebiger sind. Wen stört es denn auch? Wir leben schließlich mit Eddie, wir wissen, was er braucht und benötigt. Er ist und bleibt unser kleiner Prinz. Unser Herzensbrecher. Unser Clown. Unser Schöner.

Und in gewissen Situationen auch immer noch unser Mr. Wibbelfutt.

2 Gedanken zu „Das Leben mit einem älteren Hund

  1. Hallo Andrea, du hast es soooo schön beschrieben, wie es ist, das Leben mit einem älteren Hund zu teilen.

    Ich hab dir ja bestimmt schon mal erzählt, dass meine Schwester auch einen Jack Russel Rüden hatte, er hieß Theo, deshalb kann ich so gut nachvollziehen, was du erzählst.

    Er ist Anfang Juni tatsächlich 18 Jahre alt geworden, und war bis auf einige kleine Wehwehchen (Blasenentzündung, gutartiger Tumor an der Pfote) immer fit. Als er dann ein Bein nicht mehr belastet hat, war meine Schwester beim Tierarzt, dort wurde eine altersbedingte Arthrose diagnostiziert. Als es trotz der Medikamente nicht besser wurde, hat meine Schwester auf ein Röntgenbild bestanden. Dabei kam dann raus, dass er Knochenkrebs hatte. Er muss zuletzt unsägliche Schmerzen gehabt haben, ließ sich das aber nicht anmerken. Da sieht man wieder, welcher Kampfgeist in diesen kleinen Jack Russels steckt! Ach ja, taub war er zuletzt auch, aber wie du das beschreibst, hat dies sehr zur Entspannung beigetragen, weil er einfach nicht mehr alles mitbekommen hat, was ihn sonst gestresst hätte.

    Warum ich dir das alles erzähle? Nach der Diagnose Knochenkrebs musste er natürlich eingeschläfert werden, was nicht nur meine Schwester, sondern die ganze Familie sehr traurig gemacht hat. Er fehlt einfach.

    Auch wenn es noch so weh tut, den geliebten Hund gehen zu lassen, so ist es das letzte und wichtigste Geschenk, ihn von seinen Leiden zu erlösen.

    Ich wünsche euch noch viele glückliche Jahre mit Eddie und wenn er wirklich mal über die Regenbogenbrücke gehen muss, dann trifft er dort vielleicht Theo, wer weiß?

    Herzliche Grüße

    Renate

    1. Liebe Renate,
      Danke für deinen wunderbaren Kommentar ❤️
      Wir haben schon einmal darüber geredet, wie es sein soll, wenn wir den letzten Weg gehen müssen. Es wird sehr schwer werden, aber es ist wirklich eine große Geste, die man seinem Tier machen kann. 18 Jahre ist ein ganz wunderbares Alter und diese kleinen Teufel sind ja wirklich so zäh und man kann ihnen unheimlich schwer Schmerzen anmerken. Für uns ist es die beste Rasse. Wir lieben diese verrückten Clowns.

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