Wildgehege Neandertal/ Das Eiszeitliche Wildgehege

Jetzt folgt ein Ausflugstipp und ich kann sagen: ich wohne direkt da, wo andere einen Ausflug hin machen 😉 Denn ich brauche keine 10 Minuten zu gehen und befinde mich am Eiszeitlichen Wildgehege. Das Eiszeitliche Wildgehege ist wirklich schön. Und so ganz anders als alle anderen Wildgehege, die man so kennt. Denn die Wiesen und FlĂ€chen und somit die Gehege fĂŒr die Tiere sind sehr groß. Es gibt auch keine Wildschweine oder Rehe zu sehen, sondern nur 3 Tierarten: Tarpane, Wisente und Auerochsen. Da das Eiszeitliche Wildgehege ĂŒber 23 Hektar groß ist, muss man gut zu Fuß sein 😉 Denn es liegt mitten im schönen Neandertal und man kann ganz wunderbar da entlang laufen/wandern. Also ihr habt sehr sehr viel Natur um euch herum und das Neandertal ist nicht flach und eben 😉 Es geht zum Teil schön bergauf und bergab und an zwei Stellen gibt es auch Treppen… herrlich krumm und schief und es passt einfach in die Natur. Möchte man also eine schöne Wanderung erleben, dann kann man diese ganz wunderbar am Eiszeitlichen Wildgehege machen.

Neandertal? Moment… war da nicht noch etwas? Richtig, dass Neandertal ist bekannt geworden durch den Fund der Knochen des Neandertalers vor 160 Jahren  in der Feldhofer Grotte. Ab dem 19. Jahrhundert wurde Kalkabbau im Neandertal betrieben und dieser verĂ€nderte nicht nur das Aussehen des Tals, sondern fĂŒhrte dazu, dass dieses wunderschöne Tal weltbekannt geworden ist. Bei Abbauarbeiten in einer Höhle sind menschliche Skelettteile gefunden worden, die spĂ€ter eindeutig als frĂŒhmenschliche Überreste identifiziert wurden. Seitdem ist die Bezeichnung „Neandertaler“ weltweit ein Begriff. Heute ist das Neandertal mit seinen zahlreichen Attraktionen auch dank seiner ausgezeichneten Erschließung ein beliebtes Ziel fĂŒr Besucher von nah und fern. Aber das Neandertal zeigt uns nicht nur unsere sog. Vorfahren, sondern auch ein wunderschönes Tal und damit das Ă€lteste Naturschutzgebiet Deutschlands. Es gab WasserfĂ€lle, prĂ€chtige Höhlen, Klippen und eine ĂŒppige Waldvegetation. Nach dem Kalkabbau hat sich das Tal der DĂŒssel gewandelt und wieder naturnah entwickelt. An den HĂ€ngen und in den ehemaligen SteinbrĂŒchen wachsen Buchen-, Hainbuchen- und SchluchtwĂ€lder. Auch wenn es keine WasserfĂ€lle mehr gibt, ist es trotzdem wunderschön und durch unseren Hund konnten wir schon so viele Wege sehen und laufen und es hat sich total in mein Herz geschlichen. Die Natur dort ist einfach ein Traum. Ich könnte euch noch mehr Bilder zeigen, aber ich denke eine kleine Auswahl reicht.

Ich schweife aber ab, denn es soll hier ja nicht um das Neandertal gehen, sondern um das Eiszeitliche Wildgehege. Es gibt einen Rundweg und je nachdem wie man zu Fuß ist, schafft man diesen in 60 bis 80 Minuten. Mit Kinderwagen/Buggy dĂŒrfte es aber etwas beschwerlicher sein. Nicht wegen den Wegen, sondern wegen den Treppen dort. Aber auf diesem Rundweg gibt es ĂŒberall BĂ€nke, auf denen man sich ausruhen kann und auch einfach nur die Tiere beobachten kann, z.B. die Tarpane. 

Die Tarpane waren eurasische Wildpferde, die in den Waldgebieten Mitteleuropas und den Steppen Osteuropas und Rußlands lebten. Der letzte freilebende Steppentarpan soll 1876 getötet worden sein. Damit war diese Rasse ausgerottet. Um 1930 wurde dann von den GebrĂŒdern Heck eine sog. RĂŒckzĂŒchtung versucht. Eine genau RĂŒckzĂŒchtung ist leider nicht mehr möglich, da halt einfach das Erbgut fehlt. Aber die jetzige RĂŒckzĂŒchtung kommt doch ziemlich nah an den Ursprung heran. Genaueres ĂŒber die Tarpane findet ihr hier. Es ist schön, diese Wildpferde im Gehege zu sehen und sie haben auch genĂŒgend Platz. Sie können herrlich weiden und laufen.

Kommen wir zur nĂ€chsten Tierart, den Auerochsen. Auch hier gibt es natĂŒrlich nur eine sog. RĂŒckzĂŒchtung. Denn 1627 soll der letzte lebende Auerochse getötet worden sein. Die BrĂŒder Lutz und Heinz Heck, Zoodirektoren in Berlin und MĂŒnchen, waren in den 20er Jahren des letzen Jahrhunderts der Überzeugung, dass durch Kreuzung heutiger, vom Ur abstammender Rinderrassen der Auerochse „rĂŒckgezĂŒchtet“ werden könne. Trotz unterschiedlicher ZuchtansĂ€tze gelangten beide Linien zu einem Ă€hnlichen Ergebnis, einem robusten Rind, das – abgesehen von der GrĂ¶ĂŸe – das Aussehen des ausgestorbenen Auerochsen hatte. Heute gibt es europaweit etwa 2000 dieser sogenannten „Heck-Rinder“.

Ihr findet also im Eiszeitlichen Wildgehege keine originalen Auerochsen, sondern eine rĂŒckgezĂŒchtete Rasse. Im Neandertal lebt die Ă€lteste Herde und sie lebt ganzjĂ€hrig im Freien. Ich finde es immer total schön, wenn man an den Wiesen vorbei geht und dann die gesamte Herde sieht. Beeindruckende und wunderschöne Rinder. Da sehr viele MutterkĂŒhe dort sind, findet man auch immer wieder KĂ€lbchen in der Herde. An einem Tag hatte ich ein ganz beeindruckendes Erlebnis. Es war letztes Jahr im Sommer. Es versprach ein warmer Tag zu werden, so bin ich mit dem Hund ganz frĂŒh unterwegs gewesen. Da es noch etwas kĂŒhl war, konnten wir auch eine grĂ¶ĂŸere Runde drehen und uns zog es in die Richtung Wildgehege. Kurz bevor es die Treppen hinunter geht sah ich es schon: ein KĂ€lbchen bei der Mama. Ich habe mich total gefreut, dass ich so ein GlĂŒck hatte, das Kalb recht nahe zu sehen, denn es stand nah am Zaun. Hatte ich kurz vorher erst in der Zeitung gelesen, dass es ein kleines Stierkalb gibt. Erst dachte ich auch, dass er es ist. Doch es wackelte vor sich hin, ging vorsichtig ein paar Schritte und dann sah ich es, beim KĂ€lbchen und auch bei der Mutterkuh: es muss gerade erst geboren sein. Vielleicht eine halbe Stunde bevor ich da angekommen bin, muss es geboren sein. Ich war also quasi der erste Mensch, den es erblickt hat. Beide standen ganz ruhig da, die Mutterkuh muhte leise. Ich hockte mich hin und beobachtete beide ein Weilchen und habe sie dann allein gelassen. Nicht aber, bevor ich Bilder gemacht habe:

Als ich wieder zu Hause war, habe ich direkt an das Gehege eine Mail mit Bildern geschickt und ich bekam auch sehr schnell eine sehr liebe Antwort. Das wird immer ein ganz besonderes Ereignis fĂŒr mich sein.
Aber auch die anderen Tiere aus der Herde sind schön und beeindruckend:

Kommen wir zur letzten Tierart: dem Wisent. Der Wisent ist der einzige Bewohner des Wildgeheges, der nicht vollstĂ€ndig ausgerottet ist. Im Gehege selbst leben zwei große und sehr beeindruckende Wisent-Damen.

Auch sie haben RĂŒckzugsmöglichkeiten, aber immer wenn ich dort vorbei komme, kann ich beide Damen sehen. Sie liegen gerne und beobachten alles. Manches Mal sind sie auch nah am Zaun, aber man sollte nicht meinen dann, dass man sie streicheln kann! Das gilt natĂŒrlich fĂŒr alle drei Tierarten: bitte kein Tier streicheln! Es sind Wildtiere!!! Wildtiere können immer gefĂ€hrlich sein. Beobachten sollte immer ausreichen! Haltet einfach mal inne und schaut und beobachtet die beiden Wisent-Damen. Sie sind beide sehr beeindruckend.

Wo findet ihr das Eiszeitliche Wildgehege? Ihr könnt Richtung Neanderthal-Museum fahren und auch dort parken. Oder aber auch von Erkrath-Hochdahl S-Bahnhof sowie von Erkrath-Hochdahl/Millrath S-Bahnhof kommt ihr zum Gehege. Auf kleinen Wegweisern ist es immer gut zu erkennen, wie weit es ist.

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