Zeit der Erinnerungen

Nun ist sie da, die Zeit der Erinnerung. Klingt melodramatisch. Außerdem erinnert man sich auch das ganze Jahr über an diese Zeit. Natürlich macht man das. Aber jetzt kommen halt die Tage, die Daten, an denen alles los gegangen ist. Welches unser Leben schlagartig verändert hat. Wo man immer gedacht hat, Krebs kann zwar jeden treffen, aber doch nicht jemanden aus unserer Familie.  Doch Krebs kann wirklich jeden treffen, auch jemanden aus der eigenen Familie.

Morgen ist der 5. Juli. Bis vor zwei Jahren war es nur ein bestimmter Tag für mich: der Geburtstag meiner großen Schwester. Nun ist es der Geburtstag meiner großen Schwester und der Tag, an dem mein Papa vor zwei Jahren ins Krankenhaus gekommen ist. Wegen unklaren Bauchschmerzen. Wo wir anfangs glaubten, es wäre etwas mit den Nieren, Blase. Festsitzender Blasenstein….

Drei Tage später hörten wir den Satz, der sich eingefressen hat in Kopf und Herz: da ist etwas an der Bauchspeicheldrüse, was da nicht hingehört. Kurzer Blick bei Google und einem springt sofort: Bauchspeicheldrüsenkrebs ins Auge….. und einem wird schlagartig klar: das bisherige gelebte Leben wird sich verändern. Es wird hart werden, es wird weh tun. Nicht nur die geliebte und leider erkrankte Person muss Schmerzen aushalten, auch man selbst wird Schmerzen aushalten müssen. Man hat noch keine Vorstellung davon und das ist auch gut so.

Waren wir doch gerade erst ganz frisch umgezogen, wollten wir doch zusammen soviel Spaß haben. Auch das kleine Stück Garten gemeinsam genießen. Nun beschäftigte ich mich nicht mit Blumen, Pflanzen etc. Ich las einiges über diesen gottverdammten und so heimtückischen Krebs. Krebs ist immer heimtückisch. Bauchspeicheldrüsenkrebs ganz besonders. Kann dieser Tumor doch so ungehindert wachsen und wuchern, kann er streuen ohne das man etwas bemerkt. Wenn man dann etwas bemerkt, so ist es fast zu spät. Oder auch wirklich zu spät. Hätte man mir am 8.7.15 gesagt: in fünf Wochen ist dein Vater tot, ich hätte ihm einen Vogel gezeigt. Aber gegen das Leben ist man machtlos.

So beginnt jetzt die Zeit der Erinnerung…. der 5.7., der 8.7. usw. Letztes Jahr war es härter. Da war es so, als würde man alles noch einmal erleben. Ein Jahr später schmerzt es immer noch. Auch gehen die Gedanken desöftern dahin, man schaut auf den Kalender und man kann traurig werden plötzlich. Aber man weiß, dass dem eigenen Papa sehr viel erspart geblieben ist. Auch wenn alles viel zu schnell ging und wir keine Zeit hatten, den Schock über diese Diagnose zu verdauen und schon vier Wochen später damit konfrontiert worden sind, dass der Papa in unseren Armen eingeschlafen ist. Es ist einfach nur hart. Aber tröstend zu wissen, Papa musste sich nicht quälen. Er wird bestimmt in der Zeit und auch davor einige Male Schmerzen gehabt haben, wo er uns nichts davon gesagt hat. Aber richtig leiden, quälen? Nein, dass musste er nicht. Dafür bin ich sehr dankbar.

So werde ich auch der kommenden Zeit dankbar entgegen sehen. Denn ich habe gelernt, dass man selbst sehr viel aushalten kann. Das man soviel stärker ist, als man denkt. Und keine Sorge, hier wird es die nächsten vier Wochen nicht nur dieses Thema geben. Aber es gehört nun zu meinem Leben und mit seinen Erinnerungen lebt man. Es kommt nur darauf an, was man daraus macht. Natürlich werde ich an gewissen Tagen traurig sein, aber ich werde auch lachen und fröhlich sein. Denn das ist das Leben. Denn gäbe es keine Traurigkeit, dann könnte es auch keine Fröhlichkeit geben. Beides funktioniert auch sehr gut zusammen.

Also lebt ruhig eure Erinnerung. Sie darf und kann weh tun, man kann und darf traurig sein. Aber auch lachen und fröhlich sein. Es ist unser Leben. Es wird immer Zeiten der Erinnerungen geben. Fröhliche, aber leider auch traurige. Doch denkt daran, die traurigen gibt es nur, damit ihr wieder fröhlich sein könnt!

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