Ein Jahr ist nun vergangen..

… seit der Diagnosestellung: Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Rückblick:

Ich weiß noch genau, wie Mama sich gefreut hat. Am Vortag hat man gesagt: soweit ist nichts gefunden worden, Nieren und Blase sind ok. Ihr Mann kann nach Hause. Am Morgen des 08.07.2015 war sie richtig aufgeregt. Verständlich. Sie waren beide das erste Mal voneinander getrennt. Mama hat Papa vermisst. Nun sollte sie ihn endlich abholen können. Die Welt ist einfach wieder in Ordnung. Es muss wohl nur ein Nierenstein gewesen sein, der festgesessen hat. Mama rief mich an: So, jetzt kommt gleich der Nachbar und er bringt mich zu Papa und wir holen Papa ab. Freudig, aufgeregt.

Eine halbe Stunde später klingelte wieder mein Telefon. Mama. Stiller, bedrückter.. ich kann Papa nicht abholen. Papa darf nicht aus dem KH entlassen werden. Warum? Papa hat angerufen: kannst du bitte kommen? Sie haben etwas an der Bauchspeicheldrüse gefunden was da nicht hingehört.

PENG!

Aus heiterem Himmel ist deine Welt eine andere.

Da ist etwas an der Bauchspeicheldrüse was da nicht hingehört. Ich musste schlucken, Mama beruhigen und ihr sagen, dass sie sich melden soll bzw. ich meiner Schwester Bescheid gebe und wir dann sofort auch zu beiden ins Krankenhaus kommen. Dazwischen habe ich nebenbei Google aufgerufen: Bauchspeicheldrüse.. was da nicht hingehört… Ergebnis: Krebs! Bauchspeicheldrüsenkrebs. Meine Zimmerkollegin sprang nur zu mir herum: lass das googlen. Mach Internet aus. Aber im Prinzip hat man das nötigste schon gesehen und was ändert es? Die Diagnose bleibt…

Meine Schwester war selbst beim Arzt, kam zu mir auf die Arbeit und holte mich ab und mit einem mehr als schlechten Gefühl sind wir in die Klinik gefahren. Hoch auf die Station und da saßen dann beide. Bedrückt, rote Augen. Ich hab meinen Papa so noch nie weinen gesehen. Da weinte er. Wir warteten gemeinsam auf den Arzt. Am Nachmittag kam mein Mann noch von der Arbeit direkt ins Krankenhaus und dann kam auch endlich der Arzt. Es ist beim MRT ein Karzinom an der Bauchspeicheldrüse gefunden hat. Dieses sitzt am Schwanz. Es ist Krebs. Sie müssen jetzt bald auf eine andere Station. Es wird ein sehr sehr schwerer Weg für sie. Ich kann da nichts schön reden. Es wird eine sehr harte Chemo auf sie zukommen.

Wir weinten gemeinsam. Wir waren traurig. Unsere Welt war plötzlich eine andere. Der Satz, der mir am 08.07.2015 durch den Kopf gegangen ist: Und plötzlich steht die Welt still…..

Unsere Welt stand auf einmal still. Krebs? Wir? Unser Papa? Der Mann, der nie großartig krank gewesen ist? Mal einen Nierenstein hatte… mal Zahnschmerzen hatte, der altersbedingte Zipperlein hatte, der vielleicht mal eine Erkältung hatte…. dieser Mann soll jetzt Krebs haben? Dazu noch den heimtückischsten den es gibt? Den Krebs, den man meistens erst erkennt, wenn es im Grunde zu spät ist? Wie kann das sein? Was haben wir übersehen?
Ja, Tage vorher klagte er über leichtes Unwohlsein. Bauchschmerzen. Deswegen ist er ja auch in die Klinik gekommen. Aber sonst? Sicher, vielleicht mal über Rückenschmerzen geklagt. Aber verdammt… man hat halt einfach mal Rückenschmerzen. Wer zur Hölle denkt da bitte schön denn an Krebs? Zumal es keinerlei großartige Krebserkrankungen in unserer Familie gegeben hat. Nun hat es uns getroffen. Meinen Papa.

Aber in mir war noch so ein Gefühl: mein Papa schafft das. Ja es wird hart. Ja es wird ein schwerer Weg. Aber wenn es jemand schafft, dann doch Papa.

Später zu Hause natürlich doch im Internet recherchiert. Auch negative Sachen gelesen. Aber auch positive. Na bitte.. warum soll es bei uns negativ sein? Ich hab es echt fest geglaubt. Gern hätte ich auch vieles anders gemacht. Jetzt würde ich vieles anders machen. Jetzt würde ich sofort mich in Heidelberg melden, eine Zweitmeinung holen. Ich weiß, an dem Verlauf hätte es nichts geändert. Papa wäre so oder so gestorben. Aber einfach für mein Gefühl wäre es besser gewesen. Dort in dem KH ließ man ihn einfach sitzen, obwohl doch jetzt die Zeit uns davon lief. Wir haben dann ja auch gehandelt und ihn da hinaus geholt. Es ist aber auch alles nicht so einfach. Ich selbst würde mich ins Auto setzen bzw mit meinem Mann sofort zusammen nach Heidelberg fahren (natürlich vorher telefonisch mit Terminabsprache geklärt). Aber mit Eltern ist das halt so eine Sache.
Es ist auch alles völlig ok, wie es dann so gewesen ist. Im nachhinein zu sagen: aber das oder jenes.. oder was weiß ich… man macht sich nur müde damit. Zermürbt sich. Natürlich denkt man darüber nach. Aber dann muss man es so akzeptieren, wie es gewesen ist.

Heute ist der 08.07.2016. Ein Jahr nach dem Anruf von Mama. Ein Jahr, das alles verändert hat.

Die Ansicht auf das Leben, auf die Mitmenschen, auf das was einem wichtig ist. Mir war vorher auch vieles klar und ich wusste auch, was einem wichtig ist. Oder was uns wichtig war. Aber nach so einem Jahr wird einem manches noch etwas klarer. Manches wichtiger und manches wird unwichtig.

Und plötzlich steht die Welt still….

Und danach dreht sich die Welt weiter. Nur anders.

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