20.08.2015 Tag der Beerdigung

Da war er nun. Der Tag der Beerdigung. Der Tag, vor dem ich ehrlich Angst hatte. Natürlich wusste, ich wie eine Beerdigung abläuft. Und auch mit meinen 43 Jahren war ich schon auf Beerdigungen gewesen. Im Mai von einem Freund. Vor Jahren bei meiner Oma, dann Tante, dann Tante und Onkel, die beide bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sind. Oma tat schon weh. Aber die Beerdigung eines sehr engen Familienangehörigen ist noch einmal eine andere Hausnummer. Die Beerdigung des eigenen Papas.

Schlaflos war ich, zig Gedanken gingen mir durch den Kopf und ab drei Uhr in der Nacht war ich auf. Dementsprechend müde und fertig war ich. Aber als wir dann losgefahren sind zu Mama, kam etwas Adrenalin in meinen Körper und müde war ich gar nicht mehr. Aufgeregt, ich hatte Angst. Es tat in mir drin so weh. Wir haben dann meinen Onkel und Tante vom Bahnhof abgeholt, auf einen anderen Onkel gewartet und Tante. Die Geschwister meiner Mama. Von einst acht Kindern sind fünf übrig geblieben: Zwei Schwestern (inkl meiner Mama), drei Brüder. Dann sind wir auf zum Friedhof. Dort warteten auch schon welche und ich warf einen Blick in die Kapelle……


Ab da war es bei mir vorbei. Mir sind so die Tränen in die Augen geschossen, ich habe nur noch losgeheult. Meine Freundin mit ihrem Mann und ihren Eltern war auch zwischenzeitlich gekommen und ich hab mich auch bei ihr erst einmal ausgeheult. Wir beide sind zusammen groß geworden, wir haben Onkel und Tante zu den jeweiligen Eltern gesagt, wir sind wir Geschwister/Zwillinge groß geworden und miteinander aufgewachsen. Dann kam noch mein Cousin und ich hing in seinem Arm und er hielt mich fest. Irgendwo ist er ein Stück weit mein Lieblingscousin. Und natürlich mein lieber Ehemann, der mich immer wieder ganz festgehalten hat. Dann sind wir in die Kapelle und dann saßen wir da und wir schauten nur Papa an…es war, als wenn er uns zuzwinkern würde. Der Pfarrer kam und die Trauerfeier begann. Sie war wirklich schön gewesen. Der Pfarrer hat ganz wunderbar von Papa gesprochen. So als wenn er ihn total gut kennen würde. Ganz vorbei war es dann, als er sagte, dass der Papa zum Schluss noch das Gartenhaus streichen musste… (Es war unser Gartenhaus). Wir weinten alle vier immer wieder sehr. Dann folgte der schwerste Gang: hinter der Urne zu Papas Grab. Dort hat der Pfarrer noch einmal gesprochen und dann wurde Papa beigesetzt. Als wir an der Reihe waren Blumenblüten hinein zu streuen, holte ich ein Foto aus meiner Hosentasche. Ich hatte es zu Hause schon klein gefaltet und eingesteckt. Es war ein Bild von der Hochzeit nach der Trauung auf dem Leuchtturm. Ein Bild, wo wir alle fünf drauf sind und welches an Papas Bett im Krankenhaus gestanden hatte im Rahmen. Ich habe es so gefaltet in die Hand genommen, es geküsst und habe in die Blütenblätter gegriffen und es so mit zur Urne geschmissen. So sind wir alle irgendwie bei Papa bzw. Papa hat uns bei sich. Nur meine Freundin hat es gesehen. Mein Mann wusste es ja.  Wir standen dort alle noch eine ganze Weile und sind dann langsam Richtung Ausgang gegangen. Anschließend in ein Lokal. Aber es war nur ruhig und gemütlich. Kein Saufgelage oder großes lautes Gelächter. Wir saßen da jetzt aber nicht betrübt. Wir haben erzählt und auch lachen können. Und das ist so auch genau richtig.  Die ersten sind aber früh aufgebrochen und gegen 17 Uhr waren wir wieder bei Mama.

Später sind wir zu viert noch einmal zum Friedhof und haben uns dort an dem Platz auf die Bank gesetzt. Papa ist ja an einem Baum beigesetzt, an einer kleinen jungen Eiche. Ein sog. Friedhain auf diesem Friedhof. Und es ist wirklich schön dort. Ein so friedlicher Platz:



Es war ein wirklich sehr sehr schwerer Tag und es hat so sehr weh getan. Aber es gehört zum Abschied nehmen dazu. Auch wenn man seine lieben Menschen nicht gehen lassen möchte. So kommt doch eines Tages der Augenblick, wo wir es leider müssen.

Letzte Nacht habe ich von Papa geträumt…. Was genau, weiß ich so gar nicht. Es sind Auszüge noch da. Ich weiß nur, dass sich die Tür öffnete und Papa durch die Türe kam, schaute und mit seiner trockenen Art zu uns/mir sagte: ja ja…so schnell bin ich nicht tot. Ich bin noch da. Und eigentlich müsste man jetzt denken, dass es schrecklich war für mich dieser Traum. Aber ich bin mit einem unheimlich warmen Gefühl im Bauch aufgewacht. Es war ganz warm in mir, es fühlte sich einfach nur gut an. So wohlig, so als wäre alles gut. Und ich denke, Papa hat mir damit etwas gesagt und war irgendwie bei mir. Allerdings, während ich das jetzt hier schreibe, kommen mir die Tränen. Aber es war einfach nur ein warmes schönes gutes Gefühl. Und dieses Gefühl möchte ich mir bewahren.

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