Donnerstag, 06.08.2015 

Die Nacht war sehr unruhig und Papa bekam Schmerzen: Bauch….Au….Bauch… Wir klingelten nach der Schwester, ich sagte es ihr und er bekam eine Morphiumspritze. Etwas Besserung setzte ein und Papa schlief weiter.  Am frühen Morgen bin ich mit dem Auto schnell nach Hause gefahren und es war so abgemacht, dass ich etwas länger zu Hause bleibe. Mal ins Bett legen und zwei, drei Stunden schlafen. Mama blieb ja bei Papa. Ich war zu Hause und lag im Bett, hatte für 10 Minuten gerade die Augen zugemacht, da klingelte mein Handy. Ich nur mit einem Affenzahn aus dem Bett, ins Wohnzimmer gelaufen, drauf geschaut: meine Schwester. Mit Herzklopfen nur: ja? Was ist mit Papa?? Meine Schwester: die Nachtschwester war gerade bei Papa und hat geschaut und nach dir gefragt und gemeint, du solltest nicht zu lange zu Hause bleiben, sondern möglichst zeitnah wieder ins Krankenhaus kommen… Es kann wohl nicht mehr lange dauern. Ich ins Badezimmer und innerhalb von zehn Minuten war ich geduscht und geföhnt und angezogen. Ab ins Auto und zum Glück war die Straße noch recht leer. Viel später hätte ich im Stau gestanden. So war ich gerade eine Stunde weg gewesen. Auf dem Weg ins Krankenhaus habe ich nur schnell meinem Mann Bescheid gesagt und er bekam sofort von der Arbeit frei und kam auch ins Krankenhaus. Um halb sieben war ich wieder bei Papa. Die Schmerzen sind stärker geworden, er war sehr unruhig. Er hielt sich den Bauch und es kam immer wieder: auuua, mein Bauch… Schwester, klingeln…. Wir wieder geklingelt und sie kam auch und setzte Papa dann einen Perfusor. Dieser gibt beständig Morphium ab. Wirkliche Linderung setzte bei Papa nicht ein und so klingelten wir erneut. Es war acht Uhr. Die Schwester kam, setzte die Dosis um 0,5 nach oben und sagte dann, wenn er weiter Schmerzen hat, müssen sie dem Arzt Bescheid geben, der entscheidet über die Höhe weiter.

Papas Zustand verschlechterte sich nun rapide. Man merkte, dass die Leber nicht mehr arbeitete, denn das weiße in seinen Augen wurde ganz gelb. Auch rang er immer mehr nach Luft. Er schnappte förmlich danach. Wollte aber immer noch Wasser haben. Ich gab ihm noch etwas zu trinken und dann hörten wir es: es gurgelte leise… Wasser in den Lungen von Papa. Auch veränderten sich seine Augen und Mama sagte nur noch: verabschiedet euch von Papa, es ist nun soweit. Meine Schwester gab ihm einen Kuss, verabschiedete sich von ihm, legte ihre Hand auf seine Brust. Mama verabschiedete sich ebenso. Und es zerriss einem das Herz… Ihr Mann, seit 60 Jahren an ihrer Seite, seit fast 55 Jahren ihr Ehemann…. Dann verabschiedete ich mich von Papa. Ich küsste seine Wangen, nahm sein Gesicht, flüsterte ihm ins Ohr, dass ich ihn liebe und das er der allerbeste Papa auf der Welt ist. Da tat er seinen letzten Atemzug. Sein Herz hörte einfach auf zu schlagen….

Papa war tot. Es war halb neun.

Wir weinten, wir küssten Papa, wir hielten uns alle gegenseitig fest. Mein Mann holte eine Schwester und sie fühlte und nickte leise. Eine andere Schwester kam und sie baten uns vors Zimmer zu gehen. Sie wollten Papa frisch machen, umziehen und dann könnten wir wieder rein. Sie haben Papa ein Shirt angezogen und das Zimmer etwas abgedunkelt und eine Kerze auf den Nachttisch gestellt. Dann durften wir wieder zu Papa hinein. Erst ging Mama und sie weinte so. Die Schwester stand auch noch da und weinte auch. Meine Schwester hatte zwischenzeitlich den Pfarrer angerufen. Das war Wunsch von Mama gewesen. Er kam auch recht schnell und segnete Papa, redete mit uns, wir sangen zusammen ein Lied. Mehr meine Mutter und der Pfarrer, auch mein Mann. Ich selbst konnte nicht so. Später beteten wir noch zusammen und er ging. Es war tröstlich gewesen. Und Papa? Seine Gesichtszüge entspannten sich und es war auf einmal ein Lächeln auf seinen Lippen. Wir drückten Papa immer wieder, ich busselte seine Wange ab, so wie ich es als kleines Mädchen immer bei ihm zur Begrüßung gemacht habe. Dann mussten wir langsam alles ausräumen und zusammen räumen und uns endgültig von Papa verabschieden. Der Oberarzt war noch gekommen, die Ärztin ebenso, sie sprachen uns ihr Beileid aus, Mama drückte den Oberarzt einfach und da schossen ihm auch die Tränen in die Augen. Wir hätten wohl noch länger bei Papa sitzen können, aber wir mussten doch aus diesem Zimmer mal langsam raus. Dieses Zimmer, was uns zusammen mit Papa vier Tage und Nächte unser Zuhause war. In dem wir die traurigste Zeit unseres Lebens erlebt haben.

Vier Wochen nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs war Papa gestorben. Mit 77 Jahren. Vorher nie großartig krank gewesen. Immer ein Lächeln auf den Lippen gehabt. Immer einen schelmischen Blick gehabt…. Mein Papa, der mich 43 Jahre in meinem Leben begleitet hat war nicht mehr da.

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