Dienstag

Die Nacht von Montag auf Dienstag verging und unser Papa war immer noch da. Zum Glück. Wir hatten doch so Angst, dass es in der Nacht passieren wird.

Mein Mann und ich sind kurz nach Hause, haben uns gewaschen, umgezogen und Brötchen geholt und geschmiert und mitgenommen. Ab ins Auto und schnell wieder ins Krankenhaus. Dort haben wir uns dann mit Mama und meiner Schwester abgewechselt. Als sie wieder da waren, bin ich schnell zum Arzt und habe mich krankschreiben lassen. Auf der Arbeit hatte zum Glück jeder Verständnis dafür.

Wie ging es Papa? Den Umständen entsprechend. Er war immer wieder wach und an sich dann auch recht munter. Essen wollte er nichts. Er hatte seit Sonntag nix mehr gegessen. Aber trinken. Trinken wollte er und es musste eiskalt sein das Wasser. Erst haben wir uns mit Eiswürfel beholfen, die wir von den Krankenschwestern bekommen haben. Später wurde uns ein Kühlschrank gezeigt, in dem wir Sachen hinein tun konnten. Diesen also hochgedreht und Wasser hinein gestellt. Papa da so liegen zu sehen…. Es hat einem das Herz zerrissen. Der Mann, der sonst stundenlang in seinem Keller stehen konnte, wo er sich eine kleine Werkstatt aufgebaut hat, der liegt jetzt da und schaut zum Fenster raus. Ab und zu gingen seine Blicke zu meiner Schwester, zu meinem Mann, zu mir und dann schaute er wieder raus oder schlief ein. In meinem Herzen trage ich die Momente, in denen Papa mich angeschaut hat und ich ihm zugezwinkert habe und er beide Augen kurz geschlossen hat und genickt hat. Wir waren uns unheimlich nah. Mama war zum Teil immer so hektisch. Nicht falsch verstehen, ich mache keinerlei Vorwürfe meiner Mama. Aber sie saß da am Bett und redete: er muss so kämpfen….er muss so kämpfen…so leiden. Es war ihre Art mit dieser Situation umzugehen. Aber wenn ich mit Papa alleine war, dann war zwischen uns eine stille Zufriedenheit, ein Übereinkommen. Viel reden konnte Papa eh nicht. Es ist ihm schwer gefallen und die Stimme wurde auch langsam heiser. Mit den Ärzten konnte er aber noch klar reden und etwas erstaunt waren sie schon. Ich denke, sie haben auch geglaubt, dass es wohl schneller gehen würde. Aber mein Papa wollte noch nicht.