Nach der Diagnose 

Nun saßen wir da zu fünft mit der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Weitere Untersuchungen sollten stattfinden, doch es war noch kein Bett frei auf der Inneren Station. Nun hat man meinen Vater da sitzen gelassen, nichts tat sich mehr, außer das am nächsten Tag eine Psychoonkologin gekommen ist und versucht hat ein Gespräch mit meinen Eltern zu führen. Mama hat geredet, Papa hatte keinen Nerv (konnte ich verstehen). Und ich? Ich saß da und sah in ihrem Schoß ein Klemmbrett liegen mit einem Arztbrief darauf, versehen mit dem Namen meines Vaters und darauf die Verdachtsdiagnose und ich prägte mir nur die Worte ein und als sie weg war, habe ich sie in Google eingegeben. Danach war mir klar, dass dieser Krebs gestreut hat: in die Leber.

Nachdem sie dort für Papa nicht wirklich was machen konnten, haben wir Papa zwei Tage später aus dem KH geholt. Am Wochenende fand eh nichts statt, dann sollte er besser zu Hause alles genießen. Samstags kamen meine Eltern zu uns, bewunderten unsere neue Küche. Hätte mir jemand gesagt, dass es der letzte Besuch von meinem Papa in unserer Wohnung ist….ich hätte ihn für total bescheuert erklärt. Natürlich wussten wir um die sch… Diagnose, wir merkten auch, dass es Papa nicht so gut geht. Aber schaute man ihn an, sah man das pure Leben und überhaupt kann man gegen Appetitlosigkeit doch etwas machen.

Zwischenzeitlich hatte ich einen Termin im Pankreaszentrum im EVK Düsseldorf gemacht. Bei der Diagnose erschien es mir logisch, dass Papa in einem zertifizierten Fachzentrum besser aufgehoben ist. Der Termin sollte am 20.7. sein. Am 17.7. musste Papa aber stationär im EVK aufgenommen werden: Wasser in den Beinen, sein Bauch war so aufgebläht. Im EVK waren alle sehr sehr lieb, Ärzte, Schwestern und Pfleger. Papa kam erst auf die Innere und Untersuchungen fanden statt: Leberpunktion, schauen in die Gallengänge, Bestimmung der Tumormarker. Das Gespräch mit dem Leiter des Pankreaszentrum mussten wir absagen, da es eh inoperabel gewesen ist. Wir haben Papa jeden Tag im KH besucht. Papa wusste um die Diagnose und es kam nur: hier wird zurück geschossen. Das Thema ist noch nicht beendet.

Schaute man Papa an, konnte man es einfach nicht verstehen und begreifen, dass so etwas bösartiges in ihm schlummerte. Er selbst konnte es auch nicht begreifen: ich spüre doch nichts…es drückt mal im Bauch, aber ich merke sonst einfach nichts…. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass da so,etwas in mir sein soll. Wir sprachen Papa Mut zu, er nahm es auch an. Mittlerweile kannten wir die ganze Diagnose: Bauchspeicheldrüsenkrebs mit Metastasen in der Leber, sehr hoher Tumormarker. Aber ich war in zwei Krebsforen angemeldet und hab von einigen Beispielen gelesen, dass auch mit gleicher Diagnose die Menschen es geschafft haben. Geschafft, dass die Metastasen kleiner werden, der Tumor sich verkapselt und sie noch einige Jahre geschenkt bekommen haben.  Ich nahm sogar Kontakt zu einem Professor in Hamburg auf. Ich war einfach voller Hoffnung. Warum sollte Papa auch nicht zu den 5% gehören, die eine höhere Überlebenschance bekommen?

0 Kommentare zu „Nach der Diagnose “

  1. So ähnlich wie bei Deinem Papa fing es bei meinem auch an. Schlapp, Rückenschmerzen, Wassereinlagerungen, die plötzlich schlimmer wurden und immer höher stiegen, bis in beide Lungenflügel, …
    Ich weiß es noch wie heute, als er mich damals im Büro anrief und mich nach meiner fragte, ob er ins Krankenhaus fahren solle? Ich spürte, er hatte Angst. Mein Papa und Angst? Das gab es nie und ich verstand auch nicht wirklich, warum er sie hatte. Heute weiß ich, er muss es gespürt haben. Ich riet ihm dazu, ins Krankenhaus zu fahren und hatte die Hoffnung, sie finden eine Ursache für all das. Doch mir dieser Ursache hatten wir natürlich nicht gerechnet…

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